Kolumne 0 Uhr 30

Ein Abend mit Jan Curious

Detlef Kuhlbrodt genießt die Berlinale. Und die Stunden danach, in denen er auf dem Weg nach Hause mit einem klapprigen Fahrrad durch den Regen radelt und vor sich hin sinnieren kann.

BLZ
3 Min
Die Odyssee durch die Nacht startet im Zoo Palast.

Die Odyssee durch die Nacht startet im Zoo Palast.

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Die Berlinale ist ein großer Spaß. Der aus Hongkong stammende Regisseur meines Lieblingsfilms heißt zum Beispiel Fruit Chan und ist sehr sympathisch. Der Autor des Romans, den er verfilmte, heißt Mr. Pizza und einer der Schauspieler Jan Curious. Sehr gut gefiel mir auch der actionreiche Hongkong-Film „Mo Jin“ von Dante Lam, den ich im Zoo Palast gesehen hatte. Es geht um innere Dämonen, die den Helden – einen Polizisten – zerfressen. Die meisten Zuschauer waren Chinesen und verstanden mehr als ich. Weniger verstehen ist wie Urlaub, also toll. Nach der Vorführung sagte der Regisseur auf englisch: „Denke Sie über Ihre dunkle Seite nach.“

Draußen regnete es. Begeistert fotografierten junge Chinesen ihre Stars und zeigten einander die Fotos, die sie gerade gemacht hatten; als klassisches Beispiel passiven Genießens stand ich am Rande und freute mich über ihre Begeisterung. Mit großer Eleganz hielten dann Männer in dunklen Anzügen schwarze Regenschirme über die superschönen, eleganten Schauspieler, während diese in die dunklen Limousinen stiegen.

Ich dagegen fuhr im Regen mit meinem klappernden Fahrrad nach Haus. Beim Fahren dachte ich an einen anderen Film; an den Satz, mit der ein netter Polizist im winterlichen Minnesota einem verwirrten japanischen Mädchen alles erklären will: „Documentary is reality, normal movie is fiction“.

Auch ein anderer Satz, den die Wirtin der Mariendorfer Raucher-Gaststätte „Sargnagel“ vor ein paar Tagen zu mir gesagt hatte, hatte sich in meinem Kopf festgesetzt: „Das bisschen Essen kann ich auch trinken und rauchen mag ich sowieso lieber.“ Tief atmete ich durch, als sei ich der Held eines frühen Romans von Haruki Murakami.

Dann war es halb eins. Ich macht Notizen und trank etwas. Zwischen dem ersten und zweiten Bier war ich ruhig, klar und entspannt; danach zerfaserte alles, ich verlor mich in Assoziationsketten und schrieb nur noch, weil es mir Spaß machte, den Buchstaben zuzusehen, wie sie am Bildschirm entstehen.

Und dann vertippte ich mich zu oft, nichts ergab mehr einen Sinne. Ich legte mich in's Bett, konnte nicht einschlafen, versuchte mich in der Dunkelheit meines Kopfes zu verlieren, wälzte mich hin und her, schlief ein, wachte wieder auf wegen dem ganzen Bier und träumte viel Quatsch.

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