Seit Mai 2011 liegen die Jungs vom Club der polnischen Versager nun schon mit Feldstechern bäuchlings im Gras und beobachten die Grenze. Damals drohte ein Tsunami aus dem Osten: die Freizügigkeit für polnische Arbeitnehmer, die seit diesem Tag ungehindert Deutschland überfluten würden. Doch es passierte gar nichts. Nun, die polnischen Versager wären keine, hätten sie ihren Beobachtungsposten inzwischen verlassen. Deshalb liegen dort noch immer auf der Lauer. Jemand sollte ihnen sagen, dass sie inzwischen in die falsche Richtung schauen.
Das Wetter hat gedreht: Bulgarumänien ist nun das drohende Fukushima der Einwanderungskatastrophen. Jetzt kommen die von Armut und Betrugsabsicht Verstrahlten aus Südost, vom Balkan. Als Spanien und Portugal Europa beitreten durften, richteten sich die vom Furcht und Schreck geweiteten Blicke der Rechtspopulisten nach Südwest. Von überall strömen die Menschenmassen nach Deutschland, weil es doch hier so schön ist. Nur hier werden arme Steuerzahler gezwungen, jedem einzelnen Fremden bei seiner Ankunft Geld hinten reinzuschieben. Und nun auch noch diese Bulgaren, Rumänen!
Deutschland geht’s gut. Bis jetzt lebt die Wirtschaft vom Export. Der erfordert Käufer in aller Welt, sonst kann man nichts exportieren. Um das zu Exportierende hier billig zu produzieren, braucht es niedrige Löhne, die nicht zum Leben reichen. Zum einen arbeiten „Armutsmigranten“ unter solchen Bedingungen. Zum anderen lassen sich Unternehmen Niedriglöhne durch Harz-IV-Ergänzungen subventionieren. Also von wegen „Einwanderung in Sozialsysteme“! Das deutsche Modell funktioniert nur, weil Niedriglohn und Exportwirtschaft in Deutschland die Märkte und Menschen von Woanders brauchen.
Deshalb ist die aktuelle Diskussion um europäische Freizügigkeit auch so verlogen und ambivalent. Politisch oder wirtschaftlich erklären lässt die sich nicht – das wissen auch jene Populisten, die sie losgetreten haben. Was sonst bedeutet also die alte deutsche Gewohnheit, vor Wahlen immer wieder eklige Töne „Fremden“ gegenüber anzuschlagen? Es ist eine Sucht, eine ganz schlechte Angewohnheit, die auf die Gefühle des deutschen Wahlvolkes zielt. Daher wird jene Volksgemeinschaft beschworen, die es längst nicht mehr gibt, ja, die es nie gegeben hat. Sie war immer nur ein ideologisches Hirngespinst deutscher Angst und Aggression, das noch vor einigen Jahrzehnten Krieg und Vernichtung über die Welt gebracht hat.
Es wird Zeit, diese Angewohnheit abzulegen. Es ist wie mit dem Rauchen – man kann es sich abgewöhnen, und man sollte, denn Rauchen schadet der Gesundheit. Rassistische Töne vor Wahlen ebenso. Sie sind unsinnig, falsch, dumm, leicht zu widerlegen – und dennoch halten manche irrational an dem fest, was ihnen selbst schadet. Ein Vorschlag: Langsam damit aufhören, wenn es abrupt nicht geht. Folgende Sätze sind zwar reichlich blöd, aber für die Entwöhnung wichtig: Erstens, nicht alle Rumänen und Bulgaren sind arm. Zweitens dürfen die Armen kein Geld bekommen, wenn sie ankommen. Und drittens, lernen wir vom Club der polnischen Versager: es kommt überhaupt niemand. Also nehmt die Feldstecher runter, Leute, und wendet euch dem wahren Leben zu. Deutschland ist ein Einwanderungsland und nicht allein auf der Welt.
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