Kolumne

Hundeleben – eine RTL-Sendung riet: Erzieh das Kind wie den Hund!

Die Anfang des Jahres bei RTL gezeigte Pilotsendung der neuen Serie „Train Your Baby Like a Dog – Die Hund-Kind-Methode“ verblüfft auch Hundehalter.

3 Min
Der Hund mag die neue Decke schon, bald soll das Kind sie mit ins Bett nehmen. Szene aus der Sendung „Train Your Baby Like a Dog – Die Hund-Kind-Methode“. 

Der Hund mag die neue Decke schon, bald soll das Kind sie mit ins Bett nehmen. Szene aus der Sendung „Train Your Baby Like a Dog – Die Hund-Kind-Methode“. 

© TVNOW

Da meine Kinder dem erziehungstauglichen Alter längst entwachsen sind, nahm ich zunächst an, nicht zur Zielgruppe zu gehören, doch die empörten Berichte in zahlreichen Medien machten mich neugierig. Immerhin kann ich ja weiter am Hund herumerziehen. Lotta ist zwar auch schon erwachsen, aber noch nicht so selbstständig und schlau wie meine Töchter.

In der Sendung sichtbar, die Mediathek macht’s möglich, ist sofort das Muster der früheren „Super Nanny“. Das war eine Pädagogin, die in den Jahren 2004 bis 2011 mit viel Geduld und Sendungsbewusstsein in Familien ging und vor laufender Kamera versuchte, Regeln einzuführen. Am neuen RTL-Erziehungsversuch äußerte die damalige Akteurin Kritik. Wenn ich mich recht erinnere, war auch sie umstritten.

Die Hundetrainerin vor der Kamera hat allerdings einen großen Vorteil gegenüber der Menschen-Pädagogin, weil sie Beispiele zeigen kann. Mit zwei Hilfsmitteln – einem Klicker und einer neuen Decke – ging sie in die Familien und zeigte per Video, wie toll diese Dinge bereits bei ihren Hunden wirkten.

Also: Der Hund buddelt nach Mäusen, anstatt brav auf dem Weg zu laufen: Die Trainerin klackert mit ihrem Klicker, er schaut sie kurz an, sie ruft, er kommt. Und erhält eine Belohnung. Das Kind hüpft krakeelend auf dem Bett herum, die Hundetrainerin klickst kurz, ruft, das Mädchen springt auf die Mutter zu und bekommt eine Himbeere. Und so wie der Hund, der die Transportbox fürchtet, mit einer neuen Leckerli-bestückten Decke an sie gewöhnt wird, akzeptiert auch das kleine Mädchen ihren Schlafplatz nach der Hund-Decke-Methode.

Wer sich empört, wenn Hunde und Kinder ähnlich behandelt werden, weiß nicht, wie viel Liebe Hundehalter für ihre Tiere aufbringen können. Und in puncto Erziehung habe ich hier auch etwas gelernt. Ein dreijähriges Kind ist einfachen Zeichen gegenüber aufgeschlossener als ausführlich vorgetragenen Argumenten. Meine Hündin legt wenig Wert auf Begründungen, wenn sie etwas tun oder lassen soll. Zwar lässt sich so mancher Befehl mit einem „Bitte“ verstärken, auch schätzt sie die Wendung „möchtest du“ sehr. Da legt sie immer den Kopf schief. Doch prägnante akustische Signale, die über Worte hinausgehen, findet Lotta besonders toll: das Rascheln einer Tüte, das Sirren der Brotschneidemaschine, das Klimpern des Wohnungsschlüssels.

Das Sendungsmotto umdrehend, praktiziere ich jetzt die Kind-Hund-Methode, also „Erzieh den Hund wie das Kind aus dem Fernsehen“. Ich habe mir einen Klicker angeschafft, den ich klackern lasse, wenn Lotta auf ein Wort angemessen reagiert. Zwar mag sie auch Him- und Blaubeeren, bloß sind die etwas unpraktisch für unterwegs. Ich verwende klassische Hundeleckerli. Dummerweise verheddern sich in meinen Manteltaschen zuweilen Klicker, Wohnungsschlüssel, Kotbeutel und Leckerlidöschen miteinander. Im Fernsehen wurde alternativ zur süßen Belohnung eine Umarmung empfohlen. Hilft bei Hunden nicht.

Send feedback

Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: briefe@berliner-zeitung.de