Kinder stellen Beziehungen auf eine Probe

Wenn Eltern zu viel mit dem Baby kuscheln

Sabine Rennefanz
3 Min

Interessanterweise waren es solche Paare, bei denen man sich nicht vorstellen konnte, dass sie sich einmal trennen. Sie schienen doch alles richtig zu machen, lebten besonders gleichberechtigt und modern. Der Mann war ein vorbildlicher Vater, nahm mehr als die üblichen zwei Monate Elternzeit. Kommt da das alte Klischee durch, dass ein Mann mit Baby vor dem Bauch einfach nicht sexy ist?

„Die Romantik war weg“, sagt einer der Getrennten lapidar. In der empfehlenswerten Netflix-Serie „Working Mom“ über vier verschiedene berufstätige Mütter geht auch als Erstes die Beziehung in die Brüche, bei der er das Leben als Vollzeit-Vater genießt, während sie sich sowohl zu Hause als auch im Büro fehl am Platze fühlt.

Jeder weiß eigentlich, dass ein Baby eine Beziehung auf die Probe stellt. Theoretisch zumindest. Man fällt in ein Loch, ist isoliert, alles ist neu. Es ist so schwer, die Verbindung zu halten, mit den Ablenkungen und Aufgaben drumherum.

Schon das erste Kind stellt die Beziehung auf die Probe 

Dann kommt noch die 40-Stunden-Arbeitswoche hinzu. Wieviel Romantik ist mit einem Baby möglich? Ich habe kürzlich ein Interview mit der amerikanischen Paartherapeutin Esther Perel gehört. Ob eine Familie zusammenbleibe, hänge heute nur von der Qualität der Beziehung der Partner zueinander ab, es gebe keine anderen Abhängigkeiten mehr. Umso wichtiger sei es, die Beziehung zu pflegen. Bei vielen Eltern sehe sie aber das Gegenteil: sie werfen ihre Aufmerksamkeit auf die Kinder und kuscheln lieber mit dem Baby als miteinander.

Das erste Kind stellt eine Beziehung auf die Probe, noch heftiger wird’s beim zweiten Kind. „Die meisten Scheidungen passieren beim zweiten Kind“, sagt Helene Klaar, Scheidungsanwältin.

Zwei andere Freunde waren immer mein Vorbild in Beziehungssachen. Ein Kind kam, das zweite, das Leben veränderte sich, doch sie schienen sich trotzdem nah zu bleiben. Ein Team. Jetzt sagte sie, dass sie genug habe. Er ist dauernd unterwegs, während sie allein mit den Kindern zu Hause sitzt. „Ich träume von getrennten Wohnungen, Wechselmodell, dann hätte ich wenigstens alle zwei Wochen Ruhe“, sagt sie.

Kinder sind eine Gefahr für die Beziehung: Sind unverheiratete und kinderlose Frauen glücklicher? 

Als er ihrem Mann davon erzählte, dass sie über eine Trennung nachdenke, war er fassungslos und geschockt. Er hatte nichts mitbekommen von ihrer Unzufriedenheit. Für Männer ist es immer noch normal, dass sie Anspruch auf die Zeit ihrer Frauen haben.

Umgekehrt ist das nicht so. Eine Freundin hatte nach der Geburt ihres zweiten Kindes ihren Traumjob angeboten bekommen. Sie musste ihn aber relativ schnell antreten. Also übernahm ihr Mann das ganze Babyjahr. Nach dem Jahr zu Hause macht er ihr Vorwürfe, die Beziehung steht vor dem Aus. Halten die Männer das nicht aus, ohne Job und Bestätigung zu sein?

Und sind wegen all diesen Kämpfen unverheiratete und kinderlose Frauen am glücklichsten, wie der britische Verhaltensforscher Paul Dolan in einer Studie kürzlich vorstellte? Ich habe einmal ein Paar gefragt, das seit über sechzig Jahren zusammen verheiratet ist, vier Töchter, zehn Enkel: Was ist euer Geheimnis? Sie schauten sich an: „Wir haben uns einfach nicht getrennt.“ 

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