Kolumne zu 70 Jahren Kriegsende: Ukrainer, Russen und Deutsche sollen am 8./9. Mai zusammenkommen

Die vorangegangene Kolumne „Was tun? Kriegsende, Russen und Deutsche“ fand ein starkes Echo: Nicht wenige Berliner wollen am Vormittag des 9. Mai, dem 70. Jahrestag des Kriegsendes nach Moskauer Zeit, am sowjetischen Ehrenmal im Tiergarten Blumen niederlegen. Sie wollen die Soldaten und Gefallenen aus allen Teilen der damaligen Sowjetunion würdigen, die den Sieg über Hitlerdeutschland erkämpft haben, ebenso die von Deutschen ermordeten Kriegsgefangenen und die vielen Millionen Zivilisten, die dem deutschen Raub-, Rassen- und Versklavungsterror zum Opfer fielen. Sieben Wochen vor dem Überfall hatten deutsche Staatssekretäre am 2. Mai 1941 festgelegt: In der Sowjetunion werden „zweifellos zig Millionen Menschen verhungern, wenn für uns das für uns Notwendige aus dem Land herausgeholt wird“. Nachdem die Wehrmacht bis kurz vor Leningrad und Moskau vorgedrungen war, erklärte Hermann Göring Ende November 1941: „In diesem Jahr (1942) werden 20 bis 30 Millionen in Russland verhungern. Vielleicht ist das gut so, da bestimmte Völker dezimiert werden müssen.“ Keine Frage: Die Rotarmisten führten einen Verteidigungskrieg auf Leben und ...

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Die vorangegangene Kolumne „Was tun? Kriegsende, Russen und Deutsche“ fand ein starkes Echo: Nicht wenige Berliner wollen am Vormittag des 9. Mai, dem 70. Jahrestag des Kriegsendes nach Moskauer Zeit, am sowjetischen Ehrenmal im Tiergarten Blumen niederlegen. Sie wollen die Soldaten und Gefallenen aus allen Teilen der damaligen Sowjetunion würdigen, die den Sieg über Hitlerdeutschland erkämpft haben, ebenso die von Deutschen ermordeten Kriegsgefangenen und die vielen Millionen Zivilisten, die dem deutschen Raub-, Rassen- und Versklavungsterror zum Opfer fielen. Sieben Wochen vor dem Überfall hatten deutsche Staatssekretäre am 2. Mai 1941 festgelegt: In der Sowjetunion werden „zweifellos zig Millionen Menschen verhungern, wenn für uns das für uns Notwendige aus dem Land herausgeholt wird“. Nachdem die Wehrmacht bis kurz vor Leningrad und Moskau vorgedrungen war, erklärte Hermann Göring Ende November 1941: „In diesem Jahr (1942) werden 20 bis 30 Millionen in Russland verhungern. Vielleicht ist das gut so, da bestimmte Völker dezimiert werden müssen.“ Keine Frage: Die Rotarmisten führten einen Verteidigungskrieg auf Leben und Tod.

Am 9. Mai sollen in Berlin die Niederlage, die Befreiung Europas und die zwangsweise Befreiung der Deutschen von sich selbst gefeiert werden. Die aktuelle Politik steht nicht zur Debatte. Vielmehr geht es um eine versöhnliche Botschaft des Mitgefühls, der Anteilnahme und des Andenkens, adressiert nicht von einem Präsidenten an den anderen, sondern von Tausenden Berlinern an die Millionen Familien derer, die infolge des deutschen Vernichtungskriegs ihre Lieben verloren, schwere materielle, körperliche und seelische Schäden erlitten – ob sie nun in Russland leben, in der Ukraine, in Weißrussland, in Kasachstan oder im Baltikum.

Um das zu verdeutlichen ein Beispiel: Die Blockade Leningrads begründete die Wehrmachtsführung mit der Absicht, die fünf Millionen Einwohner verhungern zu lassen; tatsächlich starben während der 900 Tage andauernden Belagerung etwa eine Million Menschen, darunter der eineinhalbjährige Viktor, der ältere Bruder Wladimir Putins. Die Blumen am Denkmal gelten nicht dem Präsidenten, aber eben auch der Familie Putin.

Bolschewistische Kurkapelle will auftreten

Inzwischen hat die Bolschewistische Kurkapelle Schwarz-Rot zugesagt, mit 17?Bläsern, Gitarristen und Sängern das Ihre zum 9. Mai am sowjetischen Ehrenmal beizutragen. Die Gruppe wurde 1986 in Berlin-Prenzlauer Berg gegründet und ist dort fest verwurzelt. Die Musiker, darunter ein Brite und ein Amerikaner, kombinieren bayerische, russische und ukrainische Volksmusik mit amerikanischem und französischem Punk, mit polnischer Polka und jiddischen Hochzeitsmärschen.

Sie wollen die Menschen zum Tanzen bringen und nachdenklich stimmen. In Berlin wohlbekannt, sind sie in Kopenhagen, Paris, Le Havre, Wien, Brno, Amsterdam aufgetreten und erklären zur aktuellen Lage: „Wir haben noch nie in Moskau oder Kiew gespielt, aber vielleicht lädt uns dorthin einmal jemand ein.“ Nun sind noch einige organisatorische Fragen zu klären. Das hat dankenswerterweise der 1990 ebenfalls in der Gorbatschow-Ära gegründete Verein KONTAKTE-KOHTAKTbI übernommen (www.kontakte-kontakty.de). Auf zum 9. Mai!

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