Kolumne zur Forschungspolitik

Nach Adam Riese

Die meisten Deutschen haben ein schwieriges Verhältnis zur Mathematik. Politiker indes müssen nicht unbedingt Rechenexperten sein. Es reicht, wenn sie den Wissenschaften hinreichend Förderung zukommen lassen.

Karl-Heinz Karisch
3 Min

Adam Riese, der große Rechen- und Zahlenmeister aus dem kleinen fränkischen Staffelstein! Nach seinen Regeln lernten Generationen von Schülern das Große Einmaleins. Auswendig! Und sogar der Dreisatz war nach der Schulzeit fest im Kopf verankert. Wenn ein Maurer zehn Stunden für eine Mauer benötigt, wie lange mauern dann zehn Maurer? Genau!100 Stunden. Bitte schreiben Sie jetzt keinen Leserbrief. Das war nur ein fieser Test, Ihre geschätzte Aufmerksamkeit zu bekommen. Angeblich können ja 80 Prozent der Erwachsenen keinen Dreisatz mehr. Journalisten und Zahlen ist ein weiteres schwieriges Kapitel, meine Kollegen mögen mir die Bemerkung verzeihen.

Wenigstens im Osten unseres Landes stehen die Schüler deutlich besser da. Am besten sind sie in Sachsen. Die Mathematik genoss zu DDR-Zeiten große Wertschätzung, das wirkt fort.

Die meisten Deutschen haben ein eher schwieriges Verhältnis zum Rechenwerk des Adam Riese. Das wäre gar nicht so schlimm, denn erstaunlicherweise bringt unser Land doch eine ganze Reihe von hervorragenden Mathematikern hervor. Modernes Fernsehen samt den Speichermedien basiert größtenteils auf Kompressions-Rechenanweisungen – Algorithmen genannt –, die in Deutschland entwickelt worden sind. Und auch die Musik wird mit Algorithmen zu MP3-Dateien komprimiert.

Unsere Wissenschaftler haben in vielen Bereichen wieder Anschluss gefunden. Mit kräftigem finanziellen Anschub durch kluge Forschungspolitik. Zu lange hatte man sich nämlich auf den Lorbeeren von vorgestern ausgeruht. Der erste Computer der Welt, die besten Röhren, das beste Farbfernsehen, die besten Fotoapparate. Das herablassende Hohngelächter über die ersten japanischen Transistorradios ist verstummt. An die einst führende deutsche Elektronikindustrie erinnern sich nur noch die Älteren. Die USA und asiatische Firmen beherrschen heute den Weltmarkt. Die IT-Branche boomt, nur leider kaum noch in Europa.

Der alte Kontinent leistet sich technische Kleinstaaterei wie einst im Mittelalter. Die neue Bundesregierung muss nun die vorausschauende Wissenschaftspolitik ihrer Vorgänger, da waren die Sozialdemokraten auch schon mal beteiligt, fortführen. Welche verheerende Wirkung kurzfristiger Aktionismus hat, das zeigt sich in Italien. Dort wurden für kurze Zeit erhebliche Mehrausgaben für die Forschung bewilligt. Das Strohfeuer ist vorbei, eine akademische Massenflucht ist im Gange. Ein Aderlass mit unübersehbaren Folgen für das Land.

Einer, der große Bewunderung für die Mathematik äußerte, war Albert Einstein. Übrigens in diesem Bereich ein sehr guter Schüler, auch wenn es oft anders behauptet wird. Ohne raffinierte mathematische Methoden hätte er seine Theorien nicht aufstellen können. Für ihn war es faszinierend, dass die Mathematik als reines Produkt des menschlichen Denkens zugleich auf die Gegenstände der Wirklichkeit so vortrefflich passt und den exakten Naturwissenschaften jenes Maß an Sicherheit gibt, die sie ohne Mathematik nicht erreichen könnten. Unsere Politiker müssen keine Mathe-Genies sein. Es reicht, wenn sie eine Ahnung davon haben, dass die Mathematik genauso wie die anderen Wissenschaften Förderung verdient. Das zahlt sich aus, und es ist, nach Adam Riese, so teuer auch wieder nicht.

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