Kommentar

Der Personenkult um Andrej Holm war schädlich

Je mehr Holm unter Druck geriet, umso nachdrücklicher verteidigte ihn die Linke.

Frederik Bombosch
3 Min
Andrej Holm nimmt seine Ernennungsurkunde entgegen.

Andrej Holm nimmt seine Ernennungsurkunde entgegen.

© Katrin Lompscher/Twitter

Nötig war die Auseinandersetzung, weil eben noch nicht alles vergeben und vergessen ist, weil es – zum Glück – keinen Schlussstrich unter die DDR-Vergangenheit gegeben hat. Andrej Holm, das hat er selbst immer wieder betont, hat sich als sehr junger Mann zum Teil eines Repressionsapparats gemacht. Die Auseinandersetzung zwischen den Opfern dieses Apparats war in den 90er- und 00er-Jahren am intensivsten. Aber die Narben sind noch da. Es gibt sie, die Täter, die elegant die Wende vollzogen. Und es gibt sie, die Opfer, die bis heute gebrochene Menschen sind.

Andrej Holm wusste, dass er infrage gestellt würde

Andrej Holms individuelle Schuld mag gering sein. Aber es war seine persönliche Entscheidung, mit seiner Biografie ein hohes politisches Amt zu übernehmen. Er wusste, dass er infrage gestellt würde. Und es zeigte sich, dass er dem nur sehr bedingt gewachsen war.

Möglicherweise ist die eigentliche Diskussion – die über den Umgang mit ambivalenten DDR-Biografien – ein wenig vorangekommen. Mit etwas Distanz werden vielleicht auch Holms Kritiker erkennen, dass die Fehler eines 18-Jährigen ihm Jahrzehnte später vergeben werden können. Dass es kein Indiz für Untaten in der Vergangenheit sein muss, wenn ein Mensch Details seines früheren Handelns vergisst. Umgekehrt wurden alle mit einer weniger kritischen Sicht auf Holms Vergangenheit daran erinnert, dass es ein legitimes öffentliches Interesse gibt, bestimmte Dinge von einem Politiker genau zu wissen.

Stadtentwicklungspolitik in Berlin hat Schaden genommen

Was über diese Debatte jedoch Schaden genommen hat, ist Holms eigentliches Thema, das sein Arbeitsfeld werden sollte: die Stadtentwicklungspolitik. Ausdrücklich verstand die Linke seine Ernennung als ein Signal an die Berliner Mieterinitiativen, dass sie es mit einem Neuanfang in der Wohnungspolitik tatsächlich ernst meinte.

Je mehr Holm unter Druck geriet, umso nachdrücklicher verteidigte ihn die Linke – immer wieder mit dem Hinweis, er sei der Garant für eine mieterfreundliche Politik. Sie hat damit einem Personenkult Vorschub geleistet, der noch lange die politische Auseinandersetzung belasten wird. Zur Erinnerung: Holm war nicht einmal an den Koalitionsverhandlungen beteiligt. Er hatte auch noch nicht den Beweis erbracht, ob er seinen Aufgaben als Staatssekretär eigentlich gewachsen ist – und die unterscheiden sich substanziell von denen eines Wissenschaftlers.

Er unterstand auch Senatorin Katrin Lompscher. Sie ist eine respektierte Fachpolitikerin – doch im Streit um Holm schien es, dass nur er den Interessen der Mieter in dieser Stadt Geltung verschaffen kann.

Lompscher wird jetzt ihre Mühe haben, den Konflikt um ihren früheren Staatssekretär zu befrieden. Die Koalitionspartner tun gut daran, sie dabei zu unterstützen. Und Holm übrigens auch, wenn er der Sache dienen will.

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