Kommentar

Der Westen will von der Einheit nichts wissen

So viel zum Thema Einheit

Markus Decker
2 Min

Man muss kein Prophet sein, um zu wissen, was um den 9. November 2014 herum in Deutschland geschehen wird: Man wird den zahlreichen Gedenkveranstaltungen zum 25. Jahrestag des Mauerfalls kaum entgehen können. Zu diesem Anlass werden sich auch die Spitzen des Staates versammeln, egal, ob sie eine Ost- oder Westbiografie haben.

Gestern freilich war die Debatte über den Stand der Einheit eine sehr einseitige Veranstaltung. Auf der Kabinettsbank saßen nur zwei Minister. Und die waren ostdeutscher Herkunft. Kein einziger Fraktionsvorsitzender hatte den Weg in den Sitzungssaal gefunden. Die Redner kamen ausnahmslos (!) aus den neuen Ländern. Die alten Länder hatten noch nicht einmal einen Alibi-Redner geschickt. Kurzum: Nachdem die Einheitsdebatte zweimal verschoben worden war, fand sie gestern unter Fernbleiben des Westens statt.

Nun könnte man nach mildernden Umständen suchen – wie etwa dem ganz banalen, dass Freitag war und das Parlament nach einer nervenaufreibenden Sitzungswoche mit den Gedanken schon im Wochenende. Die Wahrheit ist eine andere. Im Parlament spiegelt sich das westdeutsche Desinteresse an der Einheit. Der Westen will von ihr nichts wissen, weil er sich nicht existenziell betroffen sieht – außer durch als lästig empfundene Transfers. Die Ostler wissen das längst. Traurig ist es trotzdem.

Send feedback

Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: briefe@berliner-zeitung.de