Zu Spitzenzeiten schredderten die Alliierten in der Spionagestation auf dem Teufelsberg bis zu zwei Tonnen Papier pro Tag. Das entspricht etwa eineinhalb Millionen Din-A4-Zetteln. Abhörprotokolle so schwer wie zwei Kleinwagen.
Das lernt man auf einer Führung durch die alte Spionageanlage. Und vielleicht begreifen Nachwendekinder zwischen den löchrigen Radarkuppeln am besten, was Kalter Krieg bedeutet. Wie fiebrig dieser Konflikt zwischen dem Warschauer Pakt und dem Westen ausgetragen wurde, der Amerikaner und Briten täglich solch monströse Mengen Papier vernichten ließ.
Schicksalsort des vergangenen Jahrhunderts
Nicht nur deshalb steht das Areal rund um die Abhörstation nun zurecht unter Denkmalschutz. Aufgeschüttet aus den Trümmern des zweiten Weltkriegs, aus dem Schutt der zerbombten Häuser, die den Rohbau von Hitlers Wehrtechnischer Fakultät unter sich begruben, liegen das Grauen des vergangenen Jahrhunderts und seine jahrzehntelangen Nachwehen vielleicht nirgendwo sonst in der Stadt nah beieinander wie hier.
Doch will die Stadt diesen Ort zu einer lebendigen Geschichtsstätte machen, zu einem „öffentlichen Erinnerungs- und Naturort“, wie es im Koalitionsvertrag heißt, braucht es mehr als das Denkmalsiegel. Denn die Abhörstation verfällt, die Aussichtsplattform ist schon halben Jahr aus Sicherheitsgründen für Besucher gesperrt.
Das Gelände ist mit schweren Hypotheken belastet
Es erscheint unwahrscheinlich, dass die private Eigentümergemeinschaft, die auf dem Gelände seit den Neunzigern schon mit Plänen für Hotels, Restaurants, Wohnungen und Sportanlagen scheiterte, sich der Sanierung und Erhaltung in gewünschtem Umfang annimmt. Obwohl der Denkmalschutz neue Fördergelder ermöglicht, dürfte für Investoren auf dem mit hohen Hypotheken belasteten Areal kaum Profit zu machen sein.
Um also den seit zwei Jahrzehnten andauernden Stillstand zu brechen, sollte der Senat einen Rückkauf des Geländes nicht länger kategorisch ausschließen – selbst dann nicht, wenn dafür ein mittlerer zweistelliger Millionenbetrag nötig wäre. Denn nur so erhält Berlin die Chance, die Geschicke dieser einmaligen Stätte endlich selbst in die Hand zu nehmen.
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