Landeverbote, Ausweisung von Ministern, Drohung mit „schwersten Konsequenzen“: Die Krise um die Wahlkampfauftritte türkischer Politiker in den Niederlanden wirkt wie ein Stück aus dem Tollhaus, ist in Wahrheit jedoch ein kalkuliertes Szenario aus Ankara, auf das die Regierung in Den Haag plump hereingefallen ist.
Das Drehbuch war eigentlich für Deutschland geschrieben, doch hat Angela Merkels Gelassenheit das Schlimmste verhindert. So konnte der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu in Hamburg auftreten und die Hysterie über türkische Nazi-Vergleiche wieder abflauen. Dann kam Holland – und der Skandal, den die Türken seit Tagen zu provozieren versuchten.
Es mag schwer sein für mitteleuropäische Politiker, die Macho-Taktik nahöstlicher Potentaten zu verstehen. Doch die Falle des türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan war so offensichtlich, dass eigentlich nur Ignoranten hineintappen konnten. Im Kern geht es darum, dass Erdogan daheim dringend ein kräftiges Thema für seinen lahmenden Referendumswahlkampf braucht. Er weiß, dass nichts seine Landsleute mehr erregt als eine nationale Schmach, die es ihm ermöglicht, sich zugleich als Opfer und Kämpfer gegen „Rassisten und Faschisten“ aufzuspielen. Die Niederlande boten sich an, weil die Regierung wegen der heimischen Rechtspopulisten unter Druck steht.
Wenn türkische Medien nun den Konflikt weiter anheizen, so geht es darum, das Erregungsniveau zu halten, damit die Türken im In- und Ausland in vier Wochen verlässlich an die Urnen strömen. EU-Regierungen dürfen den Irrsinn nicht mitmachen. Sie tragen Verantwortung für die türkischstämmigen Mitbürger. Wenn man diese in die Eskalation laufen lässt, setzt man sie möglichen Angriffen aus und gefährdet die innere Sicherheit. Aus dem Eklat lässt sich daher lernen, dass die EU dringend eine gemeinsame Strategie gegen die Provokationen aus Ankara braucht. Der exilierte Journalist Can Dündar, einer der schärfsten Erdogan-Kritiker, rät dazu, dessen Spiel nicht mitzumachen und die Politiker aus der Türkei einfach reden zu lassen. So wie es die Franzosen machen, wo man dem Auftritt Cavusoglus am Sonntag in Metz keine Steine in den Weg legte. Das ist die richtige Antwort.
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