Die schlimmste Form des an Schulen nicht immer komplett sinnlosen Frontalunterrichts ist seit jeher in den großen Universitäten zu beobachten. Studierende drängen sich auch heute noch in übervollen, großen Hörsälen, um die ganze Zeit den Ausführungen eines vortragenden Professors zu lauschen. Gut, die Powerpoint-Präsentation gehört inzwischen meist dazu. Dennoch bleibt in solchen Lehrveranstaltungen keine Zeit für fundierte Nachfragen oder für anregende Gespräche über den Lernstoff.
Jetzt, wo in Berlin endlich mehr Geld vorgesehen ist für umfangreiche Hochschulsanierungen, sollten diese großen Hörsäle nicht einfach in neuem Glanz erstrahlen. Denn es sind Relikte der Vergangenheit, die in dieser Form niemand mehr braucht.
Die neuen Formen des digitalen Lernens machen es längst möglich, dass Studierende sich das Basiswissen ihres Professors zu Hause oder anderswo auf dem Laptop oder gar auf dem Smartphone anschauen. Zu jeder Zeit. Dafür braucht es keine Präsenzpflicht im Hörsaal mehr, andere Bundesländer haben diese auch bereits abgeschafft. Zielführender erscheint es, dass Studenten die Studiengrundlagen in anregender Atmosphäre besprechen und vertiefen können. Danach sollten sich die Hochschulbauten der Zukunft ausrichten (über WLAN sollten sie natürlich auch verfügen).
Ohnehin werden sich die Universitäten behaupten müssen gegenüber anderen Online-Bildungsplattformen, die derzeit vielerorts entstehen. Eine große Bibliothek ist kein Alleinstellungsmerkmal mehr, Studierende sollten in nicht allzuferner Zukunft auf viele wissenschaftliche Bücher oder Fachaufsätze auch von zu Hause aus zugreifen können. Und ausgerechnet ein deutscher Informatikprofessor wie Sebastian Thrun ist in den USA in ganz enger Kooperation mit Google bereits dabei, eine gewaltige Online-Universität aufzubauen.
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