Kommentar: Korkut ist Opfer des Stuttgarter Größenwahns

Der Trainer scheint zum Sündenbock geboren.

BLZ
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Der heißeste Kandidat für einen Trainer-Rauswurf am Wochenende war eigentlich José Mourinho bei Manchester United. Doch den Portugiesen rettete (vorläufig) der späte Siegtreffer gegen Newcastle United. Also erwischte es Tayfun Korkut. Wie immer, könnte man sagen, der Mann scheint zum Sündenbock geboren. Wahrscheinlich weil er immer so traurig guckt, wie zuletzt nach dem Sieg seines VfB Stuttgart gegen Werder Bremen, dem bisher einzigen in dieser Saison. Da erweckte er in seiner notorischen  Bescheidenheit wieder einmal den Eindruck, als habe er mit dem Erfolg nicht das Geringste zu tun gehabt. War ein Fehler, die Klubführung glaubte ihm.

Mourinho beklagte  eine „Menschenjagd“ gegen sich, in England werde er inzwischen sogar schon für den Regen und den Brexit verantwortlich gemacht. So weit, dass man Korkut die Bierpreise beim Cannstatter Wasen und die miese Luft in der Stadt anlastet, ist es im Schwabenland nicht gekommen, man macht ihn nur für schlechten Fußball verantwortlich. Fußball wie  in der ersten Hälfte beim 1:3 in Hannover. Über die zweite Hälfte, in der die Stuttgarter nach Korkuts Umstellungen fast den Ausgleich erzielten, bevor sie kurz vor Schluss einen Konter kassierten, schweigt man großzügig beim VfB.

Weg zum Untergang

Da ist er wieder, der Chaos- und Panikklub, der gern drei Trainer pro Saison auf dem Weg zum Untergang verschleißt und einen Sportdirektor hat, der entweder gut heucheln kann oder schlecht informiert ist. Die Trainerfrage stelle sich nicht, sagte Michael Reschke noch in Hannover und sah „genug Substanz für einen Neustart in dieser Konstellation“. Am nächsten Tag waren ihm plötzlich „die ausbleibende sportliche Entwicklung“ und die „negativen Ergebnisse“ aufgefallen. Besser erklärte Klubpräsident Wolfgang Dietrich den kurzen Geduldsfaden: „Nach dem erfreulichen Verlauf der vergangenen Saison waren wir zuversichtlich (…), in der neuen Spielzeit die positive Entwicklung weiterführen zu können.“ Wollten sie allen Ernstes in die Champions League? Größenwahn, dein Name ist VfB!

Platz 7 hatte Korkut geschafft, nachdem er das Team Ende Januar in  desolatem Zustand auf Rang 14 übernommen und sofort stabilisiert hatte. Ähnliches war ihm 2014 schon bei Hannover 96 gelungen, auch da flog der Mann mit der unterirdischen Bonität in der Folgesaison raus. Dabei war die Situation trotz des letzten Platzes  nicht prekär für den VfB, die Teams der zweiten Tabellenhälfte liegen eng beisammen. Absurd erscheint die Vorstellung, dass die Stuttgarter mit  Markus Weinzierl oder Markus Gisdol oder wem auch immer plötzlich tollen Fußball spielen. Da hätten sie schon Tayfun Korkut holen müssen.


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