Kommentar

Pandabär Meng Meng und der Osten

Der Panda, der sich verhält wie der gemeine Ostdeutsche.

André Mielke
3 Min
Ist Berlins Pandadame Meng Meng eine Posernatur? Bis vor kurzem lief sie rückwärts, nun sitzt sie im Zierbambus und haut sich damit den Magen voll.

Ist Berlins Pandadame Meng Meng eine Posernatur? Bis vor kurzem lief sie rückwärts, nun sitzt sie im Zierbambus und haut sich damit den Magen voll.

© AFP

Meng Meng verweigert sich dem Fortschritt. Die kürzlich in den Berliner Zoo deportierte Pandabärin bewegt sich, wenn überhaupt, rückwärts. Zudem erkundet sie nur den geringsten Teil ihres Zehn-Millionen-Euro-Geheges.

Keine artgerechte Haltung

Das Tier verhält sich mithin wie der gemeine Ostdeutsche, von dem es allenthalben heißt, er sei reaktionär statt kosmopolitisch und nur auf seine Winzigwelt fixiert. In beiden Fällen machen sich Pfleger und Publikum große Sorgen. Meng Meng, heißt es, reagiert besonders gegenläufig auf nicht taufrisches Bambusfutter.

Korrespondierende Befunde sagen über den Ostdeutschen, er sei nicht nur träge und gefräßig, sondern auch noch mäklig oder, wie der Knorkeberliner sagt, kiesetig. Wohlmeinende, etwa der Tierschutzbund, formulieren es taktvoller: „Dieser Panda bringt zum Ausdruck, dass er leidet und die Haltungsbedingungen nicht den artgemäßen Bedürfnissen gerecht werden.“ Die Linke liefert analoge Interpretationen für das ostdeutsche Benehmen.

Ein weiterer Erklärungsansatz legt nahe, dass im Panda infolge akustischer Eigenheiten der neuen Unterkunft schlechte Erfahrungen (aus dem chinesischen Unrechtsstaat?) hochkämen. Das wäre möglich.

„Ick will eene Cola.“

Viele Ostdeutsche berichten ja ebenfalls, neuere Klänge der guten Bundesrepublik würden sie immer mehr „an früher“ erinnern. Auch sie reagieren auf dieses rezidivierende Trauma unaufgeschlossen bis affektiv verstockt. Die plausibelste Diagnose lautet jedoch:

Meng Meng ist plemplem – genauso wie der abgehängte, degenerierte, seelisch verkrüppelte Ostdeutsche, der ganz anders tickt als all die Milliarden normalen, gesunden, kunterbunt entwickelten Persönlichkeiten, wenn man jetzt mal von Osteuropa sowie einem ziemlich großen Teil der Briten, Spanier, Franzosen, Italiener, Amerikaner, Japaner, Chinesen und Australier absieht.

Pandapsychologen wollen Meng Meng nun die Rückwärtsgewandtheit abtrainieren und ihre Progressivität durch ein Belohnungssystem stimulieren. Das wird beim Ostdeutschen seit 27 Jahren versucht. So geht das nicht ewig weiter.

Blieben noch Tabletten, Hirn-OPs oder die traditionelle Dressur. Inspirierend ist da ein Vorfall vom Mai 2008. Ein ohrenscheinlich aus der Katastrophenregion Berlin-Brandenburg stammender Mann hatte an einem Münchner Imbiss geäußert: „Ick will eene Cola.“

„Verpiss dich, du Ossi-Arsch."

Daraufhin boten zwei Einheimische ihm zivilcouragiert die Stirn: „Verpiss dich, du Ossi-Arsch. Wegen dir sollen sie die Mauer bis zum Himmel wiederaufbauen.“ Sie sagten also mit anderen Worten das, was dieser Tage in Zentralorganen des westdeutschen Besserbürgers geschrieben steht. Dann griffen sie sich aus der Isar einen Schwan (sic!) und hieben damit auf den mutmaßlich Ostdeutschen ein.

Der Popmusiker Andreas Dorau, den die meisten leider nur durch seinen „Fred vom Jupiter“ kennen, hat diesem bislang unverstandenen Fanal den Song „Ossi mit Schwan“ gewidmet: „Ist ein Akzent auch schwer zu ertragen, gehört es sich nicht, mit Schwänen zu schlagen.“

Zu diskutieren bleibt, ob es von therapeutischem Nutzen wäre, und zwar für beide Seiten, Ostdeutsche mit Pandas zu verprügeln, oder sie, noch besser, durch Meng Meng verprügeln zu lassen. Allerdings sind diese Tiere wirklich sehr, sehr faul.

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