Kommentar

Putin rettet Mißfelder

Der außenpolitische Sprecher der Union, Philipp Mißfelder war zur falschen Zeit am falschen Ort. Die parteiinternen Konsequenzen sind – Putin sei Dank – dennoch unspektakulär.

Daniela Vates
2 Min
Der außenpolitische Sprecher der Unions-Fraktion, Philipp Mißfelder.

Der außenpolitische Sprecher der Unions-Fraktion, Philipp Mißfelder.

© picture alliance / dpa Lizenz

Es wirkte wie ein doppelter Affront: Der außenpolitische Sprecher der Unions-Fraktion, Philipp Mißfelder, trifft in der Hochphase des OSZE-Geiseldramas den zum Paria gestempelten russischen Präsidenten Wladimir Putin zu einem feinen Abendessen. Und er tut das auch noch bei einem Empfang zu Ehren von Altkanzler Gerhard Schröder, dessen Nähe zu Putin in der Regierung nicht nur deswegen naserümpfend betrachtet wird, weil sie größer ist als die zu Merkel.

Mißfelder hat für seine Aktion eine Rüge kassiert. Sein Amt hat er behalten, etwas anderes war nicht zu erwarten: Die CDU kann nicht Putin ermahnen, Meinungsfreiheit in seinem Land zu gewährleisten, und dann selbst bei erstbester Gelegenheit einen bestrafen, der sich gedanklich selbstständig macht. Auch Anbandeln mit einem Altkanzler der politischen Konkurrenz ist per se kein Grund für Karrierebremsen, zumindest nicht für umgehende. Und ob hinter Mißfelders Reise auch noch andere Beweggründe standen – verlockende geschäftliche Verbindungen etwa oder einfach nur die Lust am Affront gegen eine Kanzlerin, von der er sich bei der Regierungsbildung vernachlässigt fühlte –, musste für die Unionsspitze zunächst einmal zweitrangig bleiben.

Anders wäre die Sache wohl ausgegangen, wenn die Geiseln in der Ost-Ukraine nicht freigekommen wären. Insofern hat Wladimir Putin auch Philipp Mißfelder gerettet.

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