Was wäre das doch für eine schrecklich fade deutsche Fußballwelt, wenn alle in den deutschen Profiligen beschäftigten Spieler so clever und umsichtig wären wie Philipp Lahm. Oder so smart wie Mats Hummels. Oder, um auch einen Dortmunder an dieser Stelle zu erwähnen, so wohlerzogen wie Julian Weigl, der sich zwar als Teenager von seinen Teamkumpels beim TSV 1860 München zu einer folgenreichen Partynacht hatte hinreißen lassen, aber inzwischen den Eindruck erweckt, dass ihm der daraus resultierende Mini-Skandal eine Lehre fürs Leben war. Vorbildlich sind die drei genannten, wie so viele andere auch, die erfolgreich ihre Sturm-und-Drang-Reflexe unterdrücken oder ebensolche von Natur aus nicht in sich tragen.
Kevin Großkreutz ist da ganz anders, was jetzt nicht gleich als Hymne auf das Unangepasste verstanden werden darf, sondern einfach nur als Hinweis darauf, dass man den Fußball-Tor der Nation, und das ist der 28-Jährige aus Dortmund-Eving nun mal, eben auch als ebendiesen wahrnehmen und dementsprechend mit ihm umgehen soll. Großkreutz hat nach einem verlorenen Pokalfinale im Suff mal in das Foyer eines Berliner Hotels gepinkelt; er hat sich mal in der Kölner Innenstadt mit einem angeblich extrascharfen Döner gegen ein paar Provokateure zur Wehr gesetzt und dafür gleich mal eine Anzeige wegen Körperverletzung erhalten; nun war er zu Beginn der Woche in der Nacht auf Dienstag im Anschluss an eine Party in eine Schlägerei verwickelt.
Die Bilder von der Platzwunde an seinem Hinterkopf und seinem zerbeulten Gesicht landeten auf dem Boulevard. Kurzum: Großkreutz ist wohl ein unverbesserlicher Nachtschwärmer, der unter Alkoholeinfluss an sich eher kleine, für ihn allerdings große Katastrophen provoziert beziehungsweise in bedenklicher Regelmäßigkeit eben in solche gerät.
Profifußball? Erst mal nicht
Der VfB Stuttgart, sein aktueller Arbeitgeber, hat sich infolge der Rosenmontagseskapade nun von Großkreutz getrennt, „einvernehmlich“ hieß es, worauf man allerdings nun wirklich nicht viel geben muss. Diese Entscheidung kann man einerseits nachvollziehen, weil Großkreutz a) derzeit wegen einer Fußprellung nicht einsatzfähig ist, b) bei der Keilerei auch noch drei Nachwuchsspieler des VfB in seinem Gefolge hatte und c) so eine Art Wiederholungstäter ist.
Andererseits bringt so eine drastische Entscheidung im Fall Großkreutz auch so eine Art endgültiges Urteil mit sich, nämlich, dass dem Weltmeister einfach nicht zu helfen ist. Dabei wäre eine Bewährungsstrafe im Sinne einer Verantwortungspflicht, die der VfB für einen schwierigen Mitarbeiter im Besonderen trägt, allemal wertvoller gewesen. Für den Verein selbst, weil der etwas für seine Image hätte tun können, wenn er nicht aus Eigeninteresse, sondern aus Mitgefühl gehandelt hätte. Aber auch natürlich für Großkreutz, der womöglich nur eins will, Fußball spielen, das aber künftig wohl nicht mehr auf höchstem Niveau darf. Er wolle mit dem „Profifußball erst mal nichts mehr zu tun haben“, sagte er unter Tränen. Für einen wie ihn ergibt sich daraus jedenfalls eine wirklich düstere Prognose.
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