The Joe must go on – so oder so ähnlich ist die Entscheidung des amtierenden US-Präsidenten aufgenommen worden, für eine weitere Amtszeit zu kandidieren. Mit dann 82 Jahren will sich Joe Biden erneut in einen anstrengenden Wahlkampf begeben, um erneut die Wahl von Donald Trump zu verhindern.
Sind wir in einer Zeitschleife gefangen? Wir erleben tatsächlich den US-Wahlkampf von 2020 noch mal neu. Nur, dass die Protagonisten noch älter und – im Fall von Donald Trump - noch starrsinniger geworden sind. Und das alles nur, weil die Demokraten niemand anderem zutrauen, gegen Trump oder vielleicht doch einen anderen erzkonservativen Republikaner zu gewinnen. Das ist mehr als deprimierend.
US-Wahlkampf: Duell zwischen Trump und Biden deutet sich an
Die Vereinigten Staaten sind die Supermacht, die der beste Alliierte der überfallenen Ukraine ist und deren Verteidigung gegen Putins Russland federführend organisiert. Sie sind die Supermacht, die im systemischen Konflikt zu China steht. Außenpolitisch sind sie der Halt der westlichen Welt – und innenpolitisch bröckelt ihnen mehr und mehr die Demokratie weg.
Dazu gehören auch die mehr als skrupellosen Machenschaften der Republikaner, mit dem Wahlrecht Minderheiten vom Wählen fernzuhalten – und durch Wahlkreisverschiebungen den eigenen Kandidaten einen Vorteil zu verschaffen. Das sollte eigentlich Kamala Harris verhindern. Die Vizepräsidentin hat sich aber – man muss es leider so sagen – als Enttäuschung erwiesen.
„Let's finish the job“: Joe Biden will es noch mal wissen
Sie hat es nicht verstanden, die Zeit als Stellvertreterin zu nutzen, um sich selbst in Stellung für das Amt der Präsidentin zu bringen. Dabei will sie nichts anderes, doch hat sie kein Projekt gefunden, mit dem sie hätte zeigen können, dass mehr in ihr steckt als eine pure Karrieristin.
Joe Biden hatte seine Präsidentschaft ja angetreten, um eine Brücke zur nächsten Generation von Politikerinnen und Politikern zu sein. Das hat er selbst mal so gesagt. Aber jetzt fragt man sich, wo sind die alle hin, die einst mal hinter ihm standen, um später seine Nachfolge anzutreten?
„Trump hat mich vergewaltigt“: US-Autorin sagt vor Gericht aus
Es gab da ein paar fitte Frauen, die ihn im Vorwahlkampf 2020 ganz schön in Bedrängnis gebracht haben. Aber von denen ist nichts mehr zu sehen. Amy Klobuchar will lieber wieder in den Senat, auch Elizabeth Warren, ebenfalls Senatorin, hat sofort Unterstützung für Biden signalisiert. Übrigens nur für ihn, nicht für seine Vize. Pete Buttigieg wartet offenbar erst mal noch ab, bis alle endlich seinen komplizierten Nachnamen aussprechen können. Mit 41 Jahren hat er ja auch noch alle Zeit der Welt.
Aber für die Wahl 2024 bringt das erst mal gar nichts. Joe Biden nimmt sich selbst noch mal in die Pflicht – mit dem Ergebnis, dass es null Euphorie und null Begeisterung bei den Demokraten gibt. Das könnte die Sache aber noch mal gefährlich machen. Trump ist längst nicht so isoliert, wie er das angesichts seiner Vorgeschichte eigentlich sein müsste.
Biden kommt, Tucker geht
Ein alter weißer Mann als Hoffnungsträger? Die Demokraten wissen selbst, dass das nicht die beste Wahl ist, es erscheint ihnen aber die einzige aussichtsreiche für 2024. Doch wie soll die Zeitenwende ansatzweise gelingen, wenn die Jugend sich schon mal per se nur irgendwie mitgemeint fühlen darf? Das sollte sich im Übrigen auch die CDU überlegen, bevor sie ihren Vorsitzenden im Rentenalter vorschnell zum Kanzlerkandidaten macht.
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