Kommentar zu Bauplänen: Berlin baut neue Ghettos

Bausenator Geisel hat ein ehrgeiziges Ziel: 20.000 neue Wohnungen sollen ab sofort und dann jedes Jahr in Berlin entstehen, viele davon für Flüchtlinge. Ist das gut? Klar. Ist das möglich? Klar. Und würde sich der Senator das nicht vornehmen, würde er nicht das Unmögliche fordern, um das Mögliche zu schaffen, man müsste ihm vorwerfen, dass er mutwillig die Wohnungsnot in Berlin ...

BLZ
2 Min

Bausenator Geisel hat ein ehrgeiziges Ziel: 20.000 neue Wohnungen sollen ab sofort und dann jedes Jahr in Berlin entstehen, viele davon für Flüchtlinge. Ist das gut? Klar. Ist das möglich? Klar. Und würde sich der Senator das nicht vornehmen, würde er nicht das Unmögliche fordern, um das Mögliche zu schaffen, man müsste ihm vorwerfen, dass er mutwillig die Wohnungsnot in Berlin provoziert.

Fragt man sich aber, ob er es richtig anpackt, sind Zweifel berechtigt. Geisel will schnell bauen - für Flüchtlinge. Er will auf großen Bauflächen ohne langwierige Genehmigungsverfahren zuerst Flüchtlingswohnungen aufstellen, später sollen dann andere dazukommen. Flüchtlinge sollen also die Eisbrecher gegen die überbordende deutsche Bürokratie spielen.

Das ist vielleicht gut gemeint. Aber wir organisieren uns damit ein riesiges städtebauliches Problem. Haben wir nicht gelernt, dass soziale Mischung die wichtigste Voraussetzung für sozialen Frieden ist? Wissen wir nicht aus den Erfahrungen der letzten 50 Jahre, dass es falsch ist, Arm und Reich, Jung und Alt, Ausländer und Nicht-Ausländer zu trennen?

Und was tun wir jetzt? Wir planen Flüchtlingsghettos. Ganze Stadtteile, in denen nur Flüchtlinge leben - mit allen vorhersehbaren Problemen. Wie soll das gut gehen? Wo ist hier der Ansatz für Integration? Im schlimmsten Fall entstehen no go areas mit den bekannten unbeherrschbaren Folgen.

Dieser Preis ist zu hoch! Ja, wir müssen schneller bauen. Aber für alle.

Send feedback

Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: briefe@berliner-zeitung.de

Lesen Sie mehr zum Thema