Es könnte nun doch so weit kommen, dass sich die Kanzlerin endlich ein wenig um die Aufklärung der BND/NSA-Affäre kümmert. Nein, das hat nichts mit den Äußerungen von Sigmar Gabriel zu tun – an die wird er sich bald nicht mehr erinnern, da die SPD ohne die Union auf mittlere Sicht nicht mitregieren kann. Das hat auch nichts mit den Forderungen der Opposition zu tun – die haben Angela Merkel noch nie mehr als ein schiefes Grinsen abgenötigt. Und das aufgeregte Skandal-Crescendo der Medien ist ihren Ohren kaum mehr als schräges Free-Jazz-Konzert, das kurz aufregt und morgen schon vergessen ist.
Doch eines ist jetzt anders als bei all den anderen Affären und Aufgeregtheiten ihrer Amtszeit: Sie büßt an Glaubwürdigkeit ein – und das bei 62 Prozent der Deutschen. Die Abhöraffäre kratzt erstmals an Merkels teflongeschütztem Image als umsorgende „Mutti“ der Nation, die überzeugend das Ihrige tut, um Schaden von den Bürgern abzuwenden. Und von den Unternehmen und befreundeten Staatschefs auch.
Die Kanzlerin könnte diesem Glaubwürdigkeitsverlust etwas entgegensetzen, indem sie das Parlament so schnell und umfassend wie möglich informiert. Indem sie außerdem Reformen für eine effektive Kontrolle der Geheimdienste auf den Weg bringt. Sie könnte das. Doch sie zieht es anscheinend wieder vor, erneut auf die Vergesslichkeit der Wähler zu setzen. Es liegt an ihnen, Merkels Plan zu durchkreuzen.
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