Unterwegs in Berlin

Gut gekühlt ins Büro

In der Bahn oder auf der Arbeit: Die Klimatisierung nimmt exponentiell zu.

Julia Haak
3 Min
Tiefgekühlt kommen einem die besten Gedanken. Oder etwa nicht?

Tiefgekühlt kommen einem die besten Gedanken. Oder etwa nicht?

© imago/Ikon Images

Die Regionalbahn hält am Bahnsteig, und aus den sich öffnenden Türen fällt ein Schwall kalter Luft. Eben noch war da dieses Sommergefühl auf der Plattform am Bahnhof – kurzes Kleid, schulterfrei, Leichtigkeit – nun aber beginnt die Reise in einer Art Tiefkühlfach. Unten wurde die Bahn offenbar einfach nur runtergekühlt, in der oberen Etage bläst einem zur Erfrischung dazu aber noch ein kalter Wind aus einer Düse ins Gesicht. Ach je.

Die Temperatur-Achterbahn hat negative Folgen für die Gesundheit

Leider kann ich mich nicht mehr erinnern, wann das mit der exponentiellen Vermehrung von Klimaanlagen in Berlin angefangen hat. Es ist auf jeden Fall ein paar Jahre her. Mittlerweile sind die Dinger überall. Betritt man einen Supermarkt: Jacke an. Fährt man zur Arbeit: Schal bereithalten. Im Büro: Strickjacke im Schrank. Busse haben Klimaanlagen, Straßenbahnen auch, nur die U-Bahnen nicht. Das hat allerdings technische und finanzielle Gründe. Die abgesaugte Wärme würde die Tunnel erhitzen und müsste kompliziert abgeführt werden.

Nun sieht es im Hochsommer also so aus: Wer zu viel arbeitet, Bahn fährt oder sich in modernen Einkaufstempeln aufhält, riskiert ernsthafte Beeinträchtigungen. Denn leider hat die ständige Temperatur-Achterbahn negative Folgen für die Gesundheit.

Die Zahl der Klimaanlagen wird weiter zunehmen

Manchmal helfen ein paar Wochen Sommerurlaub, um die aus dem Gleichgewicht geratene Wohlfühlbalance wieder auszutarieren. Hatte sich doch im Frühjahr und Frühsommer schon so ein Husten im Brustkorb festgekrallt. Dauerhaft. Unbeeindruckt von Kräutertees, viel Bewegung und allem, was man sonst so unternimmt, um Husten loszuwerden. Nach dem Urlaub ist der Husten plötzlich weg. Kein Wunder. Es gab am Urlaubsort ja auch keine Klimatisierung, sondern nur Natur.

Es ist allerdings nicht zu erwarten, dass sich die Vielzahl der Klimaanlagen in nächster Zeit wieder reduzieren wird. Um zu diesem Schluss zu kommen, reicht es aus, fremde Gespräche zu belauschen, zum Beispiel im Urlaub. Sitzen drei Berliner Familien zusammen auf der Uferpromenade am Meer und sprechen über die Folgen des Klimawandels. Die eine hat bereits eine Klimaanlage ins eigene Zuhause einbauen lassen, die zweite wird das nach den Ferien tun, die dritte überlegt noch.

Vermutlich haben sie ein großes Sortiment an Wollpullovern im Schrank. Oder sie werden sich welche zulegen müssen.

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