Kommentar zu Libyen

Libyen exportiert Waffen und Hass

Die libysche Regierung hat die Weltgemeinschaft zeitig um Hilfe gebeten. Doch es gab keine Reaktion. Viele Libyer fühlen sich nun zu Recht im Stich gelassen.

Julia Gerlach
2 Min

Es ist ja nicht so, dass niemand davor gewarnt hätte; und es ist auch nicht so, dass die libysche Regierung uns nicht um Hilfe gebeten hätte. Mehrfach und sehr eindringlich haben Vertreter der libyschen Regierung die Weltgemeinschaft gebeten, sie zu unterstützen, weil sie alleine nicht in der Lage ist, die Macht der Milizen zu brechen. Zuletzt hat der libysche Innenminister sogar gedroht: Wenn Europa nicht helfe, die Sicherheitslage zu verbessern, wird Libyen nichts dagegen tun, dass immer mehr Flüchtlinge aus Afrika von Libyen aus nach Europa aufbrechen.

Leider war die Resonanz auf diese Appelle gering, und nun scheint in Libyen das eingetreten, was viele befürchtet haben: ein Kampf zwischen Milizen und Staat – und der Milizen untereinander. Dabei ist es in unserem ureigenen Interesse, der Regierung in Libyen zu helfen, sie zu unterstützen. Libyen ist schon jetzt Exportland für Waffen und Hass. Bisher genossen die Europäer und auch die USA bei weiten Teilen der Bevölkerung hohes Ansehen. Schließlich waren es die Militärschläge der Nato-Flieger, die im März 2011 verhinderten, dass die Truppen Gaddafis Bengasi überfielen.

Nun allerdings kippt die Stimmung, und viele Libyer fühlen sich im Stich gelassen. Nach dem Motto: Erst mischt ihr euch ein und dann verkrümelt ihr euch und lasst uns mit den Folgen allein. Ihre Kritik ist berechtigt. Weggucken hilft nicht.

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