Dieser Tage werden wieder Scharen von Kita-Kindern zu sehen sein, wie sie in der Dunkelheit mit Lampions und Laternen durch die Straßen ziehen. Unterschiedliche Namen werden dafür gebraucht. Vom Laternenumzug ist die Rede, vom Lichterfest, vom Lampion- oder vom Sankt-Martins-Umzug.
Aus katholischer Sicht, die in Berlin beileibe nicht die vorherrschende ist, wird am 11. November der Namenstag des Heiligen Sankt Martin gefeiert. Der soll vor über 1 600 Jahren ein bescheiden lebender Bischof im heutigen Frankreich gewesen sein, der seinen Mantel mit einem frierenden Bettler geteilt hat. Angeblich hat er gar nicht Bischof werden wollen, weshalb er sich, als er ernannt werden sollte, zunächst in einem Gänsestall versteckte und nur wegen des aufgeregt schnatternden Federviehs entdeckt wurde. Damit sorgte er unfreiwillig später für den Verzehr von unzähligen „Martinsgänsen“.
Nun kommt es in den Kitas mitunter zu Irritationen. Einige Eltern, oft aus katholischen Gegenden Westdeutschlands zugezogen, fragen die Erzieher, ob denn zum Sankt-Martins-Umzug auch ein Reiter mit Pferd zugegen sein wird. Die Erzieher, vor allem aus den östlichen Bezirken, reagieren dann wortkarg. „Bei uns heißt es Laternenfest“, antworten sie knapp. Oder so ähnlich. Ohne kirchlichen Firlefanz jedenfalls. Auch Kinder der kirchenfernen DDR hatten ja ihre Laternen- oder Lampionumzüge, dort waren oft Spielmannzüge dabei. Auch diese Tradition besteht fort. Schon vor Jahrhunderten zogen Menschen am Ende der Erntezeit im Herbst mit Laternen von Haus zu Haus, um Nahrungsmittel zu verschenken.
Heutzutage lehnen einige Kita-Erzieher den Namen Sankt Martin auch deshalb ab, weil sie muslimische Kinder nicht mit christlichen Symbolen behelligen wollen. Der Tag zeigt Berlin in seiner Vielfalt.
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