Über zwei Milliarden Euro – so viel Geld haben Berliner Start-ups in diesem Jahr bereits bei Investoren eingesammelt. Das ist nicht nur in etwa so viel, wie dem Bundesumweltministerium in diesem Jahr zur Verfügung steht, das ist mehr als dreimal so viel, wie die Start-ups in allen anderen Bundesländern zusammen kassierten. 2,1 Milliarden gegen 666 Millionen für den Rest der Republik. Beeindruckend, klar.
Start-ups sollen in Berlin vieles finden - vor allem Freiheit, Vielfalt und Talente
Und es verwundert auch kaum, dass die Wirtschaftssenatorin Berlins diese Zahlen nutzt, um den Standort zu preisen. Berlin sei und bleibe die Start-up-Metropole im Land, ließ sie verbreiten, als die Zahlen noch gar nicht richtig veröffentlicht waren. In Berlin, dem einzigartigen Start-up-Ökosystem, fänden Start-ups, was sie brauchen: Freiheit, Vielfalt und Talente.
Investitionen in Start-ups sind sinnvoll - doch sie reichen nicht
Tatsächlich geht es aber nur um einen sehr kleinen Teil dieses sogenannten Ökosystems. Denn es waren gerade 131 von rund 3000 Berliner Start-ups, die die zwei Milliarden Euro kassiert haben. Geld, das zunehmend von ausländischen Investoren kommt, die sich auf ausgereifte Geschäftsmodelle konzentrieren und bereit und in der Lage sind, hohe Summen zu investieren. Wer das Kapital bekommt, kann sich immer teurere Büros in schicken City-Lofts leisten und sich so Vorteile im Wettbewerb um die größten Talente verschaffen.
Insofern sind die Milliarden-Investitionen zwar Beleg für die Attraktivität des Standorts, aber kein Beweis für Freiheit und Vielfalt. Denn der allergrößte Teil der Jungunternehmen hat in dieser einst billigen Stadt mit immer höheren Lebenshaltungskosten und unkontrolliert wuchernden Büro- und Gewerberaummieten zu kämpfen. Tatsächlich haben es Neugründer immer schwerer in dieser Stadt.
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