Kommentar zu tätowierten Polizisten

Wieso Tattoos und globaler Wandel zusammengehören

Lange verschloss sich die Polizei dem Ästhetik-Wandel - jetzt kam der Durchbruch.

Susanne Dübber
2 Min
Endlich dürfen Polizisten Tätowierungen unter ihrer Berufskleidung tragen. 

Endlich dürfen Polizisten Tätowierungen unter ihrer Berufskleidung tragen. 

© imago/masterpress

Die Zeiten ändern sich. Das weiß nicht nur Bob Dylan, sondern jedes Kind. So hat in der deutschen Bevölkerung die Akzeptanz von Tätowierungen im vergangenen Jahrzehnt zugenommen. Jeder Fünfte ist inzwischen tätowiert, so Wikipedia. Lange verschloss sich die Berliner Polizei dem Ästhetik-Wandel. Jetzt aber der Durchbruch. Mein Kollege Philippe Debionne berichtete unter „Tattoo-Polizisten sind menschlich“ an dieser Stelle darüber: „Tätowierungen sind grundsätzlich zulässig, heißt es in einem neuen Erlass der Innenverwaltung.“ Daraufhin gab’s was von unseren Lesern – holla, die sind sauer! 

Allen voran schildert Michael Müller seine unangenehmen Gefühle beim Anblick von schwarz-bunten Händen, Armen, Dekolletés oder Nacken. „Ich empfinde Tätowierungen als bedrohlich und zutiefst unseriös. Ich fürchte, dass offene Tätowierungen eher zu einer Unberechenbarkeit und Brutalisierung der Polizei führen würden.“

Globaler Wandel nun auch bei uns

Rainer Ebert legt noch nach: „Menschlichkeit gewinnt man nicht durch Tätowierungen.“ Da hat er sicherlich recht, der Leser. Bedenkenswert ist auch, was Herr Ebert dann anführt, denn er fürchtet gesundheitliche Schäden durch die Tätowierfarbe. „Im übrigen gilt für Beamte die sogenannte Gesunderhaltungspflicht und das Neutralitätsgebot.“ Ja, was tun, wenn der Polizist einen Fisch zur Schau stellt auf seiner Haut. Das Zeichen aus der Entstehungszeit des Christentums ist als Schmuckstück den Lehrern und Polizisten in Berlin aus Gründen religiöser Neutralität verboten.

Ebenfalls sehr lange schon sind Tattoos in der Region zwischen Hawaii und Neuseeland verbreitet und total normal als Symbole für Zusammengehörigkeit, Schutz, Fruchtbarkeit und vieles mehr. Dem globalen Wandel sei Dank nun auch bei uns. Der jetzt Langsame wird später schnell sein, sagt Bob Dylan. Der muss es wissen, ist er doch preisgekrönt, nämlich Nobelpreisträger.

Mich interessiert Ihre Meinung zum Thema Tätowierungen. Ich freue mich darauf: leser-blz@dumont.de 

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