Woran erkennt man einen Kompromiss? Daran, dass beide Seiten danach nicht so recht zufrieden sind. Im seit Jahren schwärenden Konflikt um Hunde an Schlachtensee und Krumme Lanke in Zehlendorf zeichnet sich jetzt eine Regelung ab, die beide streitenden Parteien nicht recht wollen, die aber dennoch vernünftig zu sein scheint: Demnach sollen von Mitte März bis Mitte Oktober keine Hunde an den Uferstreifen laufen dürfen, danach ist dies (mit Leine freilich) erlaubt.
Rufen wir kurz in Erinnerung, worum es in dem Streit eigentlich geht. Die beiden Gewässer im südlichen Grunewald leiden seit Jahren an zu vielen Nutzern. An warmen Tagen kommen längst nicht mehr nur die Zehlendorfer und Steglitzer zum Abkühlen ans Wasser. Aus allen Teilen Berlins reisen Menschen zur Erholung an. Der Schlachtensee verfügt ja sogar über einen eigenen S-Bahnhof. Doch diese Beliebtheit hat auch eine Kehrseite. Nach warmen Sommernächten sieht die große Wiese am S-Bahnhof wüst aus. Die viel zu wenigen Papierkörbe quellen über. Viele Besucher machen sich nicht einmal die Mühe, ihren Müll irgendwie zu entsorgen. Kurz: Es sieht aus wie Sau!
Beschwerden von zweibeinigen Nutzern
Immerhin nicht wie Hund. Denn wenn das eine Problem der beiden Seen die Menschen sind, sind das andere die Hunde. Direkt an Europas größtem Hundeauslaufgebiet gelegen, waren Schlachtensee und Krumme Lanke immer schon beliebtes Spazierziel von Menschen mit Hunden. Oft gibt es deswegen Klagen von badenden oder picknickenden Menschen, dass sich mal wieder ein unangeleinter Hund, der sich soeben im See abgekühlt hat, auf der fremden Decke ausschüttet. Und wer einmal mit den Füßen an einer Böschung gescharrt hat, weiß im Übrigen auch, wo die Tütchen mit den Hinterlassenschaften der Tiere oft landen. Badespaß und Hundeauslauf passen einfach nicht zusammen.
Der März-bis-Oktober-Kompromiss entschärft diesen Konflikt. Initiiert hat ihn die Umweltstadträtin des Bezirks – ungern und gezwungenermaßen, weil ein Gericht ihr Komplett-Verbot gekippt hat. Auch die Hunde-Lobby ist unzufrieden, schließlich sieht sie sich nach dem Gerichtsurteil im Recht.
Klingt also alles in allem nach einem gutem Kompromiss.
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