Ich will ja nicht immer von früher anfangen. Früher, als der Kulturhaushalt so eng war, dass andauernd über die Schließung von Theatern nachgedacht werden musste. Als sich die Stadt blutig sparen musste. Als Kultursenatoren ihre Nachfolger vor dem Job warnten, so viel hatten sie durchzumachen. Sie mussten drei Opern unter ein Dach bugsieren, Tanzcompagnien und Orchester auflösen, Theatern Subventionen wegnehmen. Es wurde sogar angeregt, Musiker eines Opernorchesters mal in einer anderen Oper spielen zu lassen; im Rahmen ihrer sieben Dienste pro Woche natürlich, aber kostenlos!
Erneuerung eines genialen Logos
So weit ging es dann nie. Heute weiß kein Mensch mehr, wie damals gespart wurde. Heute ist Geld da. Nicht so viel, dass auch die Kindertheater etwas mehr abbekämen, das nicht, aber an die wichtigen Dinge ist gedacht. An die Volksbühne zum Beispiel. Nicht die alte unter Castorf, das berühmteste deutsche Theater schlechthin, deren Chef wird ja in die Wüste geschickt. Nein, es geht um die Volksbühne der Zukunft.
Die braucht schon für die Vorbereitung der Zukunft drei Millionen Euro zusätzlich. Die Süddeutsche Zeitung hat grimmig ermittelt, dass bereits 2016 stolze 450.000 Euro für das Vorbereitungsteam eingeplant sind, unter anderem als Honorar und für die Entwicklung eines neuen Corporate Designs. Letzteres meint offenbar die Erneuerung des bisherigen genialen Logos. Das Corporate Design taucht 2017 gleich noch mal auf, zusammen mit der Programmpressekonferenz. Kosten: 100.000 Euro. Das Online-Portal Nachtkritik fragt süffisant: Gibt’s Kaviar?
Ein Theater wird neu erfunden
Ach, irgendwie müssen die drei Millionen für die Vorbereitung ja zusammenkommen. Und wenn doch genug Geld da ist!
So ganz genau sind die Eckdaten des Kulturhaushalts ja noch nicht ausgeleuchtet. Bisher haben die Zeitungen aus den Ausschüssen immer Zahlen mitgebracht, die zwischen 22 und 32 Millionen Euro Zuwachs liegen. Tatsächlich muss man alle Summen addieren, um festzustellen: Der Kulturetat, der früher einstellige Zuwächse verzeichnete, steigt schon 2016 um 32 Millionen Euro von 473 Millionen (2015) auf 505 Millionen Euro und 2017 um weitere 17 Millionen auf 522 Millionen Euro. Das sind 49 Millionen Euro mehr nur für die Kultur!
Und dann werden ja wohl mal 100.000 Euro Steuergeld für eine Pressekonferenz drin sein. Wenn das Theater neu erfunden wird, soll es an ein paar Dosen fehlenden Kaviars nicht scheitern.
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