Parteivorsitzende, die kurz vor wichtigen Wahlen einen Parteitag organisieren, haben in der Regel nur eines im Sinn: positive Schlagzeilen. Sie wollen ihre Truppe im besten Licht erscheinen lassen. Im Idealfall sendet der Parteitag ein Aufbruchssignal. Schaut her, liebe Wähler, es lohnt sich, uns die Stimme zu geben. Wir haben gutes Spitzenpersonal, gute Ideen, und wir kämpfen.
Der Berliner SPD-Chef Jan Stöß hatte aber etwas anderes im Sinn, als er die Delegierten für dieses Wochenende einlud. Er wollte glänzend im Amt bestätigt werden und sich damit einmal mehr als potenzieller Nachfolger von Klaus Wowereit profilieren. Da Stöß befürchten musste, dass die Berliner SPD bei der Europawahl am 25. Mai nicht wesentlich besser abschneidet als vor fünf Jahren und ein erneutes Debakel auch ihm angelastet wird, zog er den Parteitag vor. Er darf sich also nicht wundern, dass ihm sein Rivale Raed Saleh einen Strich durch die Rechnung machte, indem er ihm ein mageres Ergebnis bescherte.
Insofern hat die SPD einen durch und durch überflüssigen Parteitag hinter sich. Nichts ist geklärt, außer dass das seit zwei Jahren andauernde Machtvakuum zementiert wurde. Das Führungsproblem des Regierenden Bürgermeisters bleibt ungelöst, die Egoshow seiner selbst ernannten Erben geht weiter. Die Sozialdemokraten hätten lieber draußen auf der Straße um Wähler kämpfen sollen, anstatt in einem Tagungshotel herumzusitzen.
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