Berlins Immobilienmarkt lockt offenbar immer mehr windige Gestalten an. Sie versuchen ihre Mieter auf teils perfide Weise loszuwerden, um die Wohnungen anschließend aufwendig zu modernisieren oder teuer zu verkaufen. Jüngstes Beispiel ist ein Haus in der Kollwitzstraße in Prenzlauer Berg, dessen Wohnungen bereits in einem Exposé zum Kauf angeboten werden. Nur noch die Hälfte der Mieter wohnt in dem Gebäude. Sie beklagen, dass das Haus verwahrlost, dass laute Partys in leerstehenden Wohnungen gefeiert werden. So werden Mieter mürbe gemacht, um sie zum Auszug zu drängen. Wenn die Wohnungen erst leer sind, lassen sie sich viel besser vermarkten.
Leider gehören derartige Auswüchse zum Bild auf angespannten Wohnungsmärkten. Überall dort, wo unsanierte Häuser in begehrten Wohnlagen stehen, werden Vorstellungen vom schnellen Geld beflügelt. Die Kollwitzstraße in Prenzlauer Berg liegt in so einem Gebiet. Wohnungen gehen hier – saniert wie unsaniert – mit Kusshand weg. Für die Mieter im vorliegenden Fall könnte es sich als glücklicher Umstand erweisen, dass sie in einem Milieuschutzgebiet leben. Hier sind Luxussanierungen sowie die Umwandlung von Miet- in Eigentumswohnungen verboten. Es gibt nur wenige Ausnahmen. Beispielsweise ist der Verkauf an Mieter möglich.
Es ist unwahrscheinlich, dass der Eigentümer vom Milieuschutz nichts weiß. Dass der Bezirksstadtrat das Verhalten als „Frechheit“ bezeichnet, ist deswegen nachvollziehbar. Umso wichtiger ist es, dass der Bezirk alle Möglichkeiten zum Schutz der Mieter nutzt. Etwa das Verbot der Zweckentfremdung. Es sieht vor, dass Wohnungen nicht länger als sechs Monate ungenehmigt leerstehen dürfen. Besser wäre, wenn die Frist verkürzt wird. Auf vier Monate, wie in Hamburg. Die Politik hat es in der Hand.
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