Kinderwunsch

Warum die Eizellenspende auch in Deutschland erlaubt sein sollte

Bislang lassen sich Frauen mit unerfülltem Kinderwunsch im Ausland behandeln.

Melanie Reinsch
4 Min
Eine 80- bis 100-fache Vergrößerung der Befruchtung einer Eizelle mit einer Injektionspipette.

Eine 80- bis 100-fache Vergrößerung der Befruchtung einer Eizelle mit einer Injektionspipette.

© picture alliance / Waltraud Grub

Kürzlich verkündete die 50-jährige Moderatorin Caroline Beil, dass sie  schwanger ist. Sie habe medizinische Hilfe in Anspruch genommen, erklärte sie. Wie genau diese aussah, darüber schweigt Beil. Das Thema wurde dennoch ausgiebig in den Medien diskutiert, mit ihr und ohne sie.

Reproduktionsmedizin mit all seinen Vor-und Nachteilen ist längst in der Öffentlichkeit  angekommen – doch politisch scheint es kaum auf der Agenda zu stehen. Das sollte es aber.
Es  gibt unzählige Wege, einer Schwangerschaft künstlich nachzuhelfen. Doch einige Methoden sind hierzulande illegal. Und das schafft Probleme: Denn jährlich lassen sich mehrere Tausend Frauen im Ausland fremde Eizellen einsetzen, um sich ihren Kinderwunsch zu erfüllen. Die Zahlen beruhen auf Schätzungen, kaum ein Paar spricht darüber – aus Angst vor Stigmatisierung.

Schwerwiegende Argumente gegen Eizellenspenden

Die Eizellenspende steht in Deutschland unter Strafe. Das  Embryonenschutzgesetz will eine missbräuchliche Verwendung von Embryonen verhindern. In vielen europäischen Ländern ist diese Methode aber völlig legal und längst gängige Praxis. Und die Behandlungszahlen steigen. Viele deutsche Ärzte fordern deshalb die Legalisierung. Selbst der Deutsche Ethikrat hat dies jüngst diskutiert. Und vor einigen Wochen fand in Berlin erstmals in Deutschland eine Messe statt, auf der die Eizellenspende ganz offen von ausländischen Medizinern beworben wurde. Doch die Argumente, die gegen die  Eizellenspende sprechen, wiegen schwer. 

Gefährlicher Eingriff

Nicht selten spenden Frauen im Ausland anonym ihre Eizellen aus einer finanziellen Notlage heraus. Dieser Eingriff ist keineswegs  risikofrei. Nüchtern gesagt: Das Paar nutzt den Körper einer anderen Frau aus, um sich einen persönlichen Wunsch zu erfüllen. Auch für die Frau, die die Eizelle  bekommt, ist der Eingriff nicht ungefährlich. Kritiker befürchten zudem, dass das Legalisieren zu Designerbabys führen könnte, wenn Wunscheltern bestimmte Eigenschaften von der Spenderzelle fordern. Nicht zuletzt werde über ein ungeborenes Lebewesen hinweg entschieden, das sich später mit den unklaren Familienverhältnissen auseinanderzusetzen habe.

Kein Schutz im Ausland

Es ist also leicht, dagegen zu sein, wenn es darum geht, das Gesetz zu liberalisieren. Es ist leicht, den Paaren Egoismus vorzuwerfen und ihnen zu einer Adoption zu raten. Es ist leicht, die Ethik heranzuziehen und auf illegitime Eingriffe in die Natur zu verweisen. Trotzdem braucht Deutschland ein neues Gesetz, das die Eizellenspende regelt – und legalisiert.

Das bisherige Embryonenschutzgesetz soll den Embryo, das ungeborene Leben, schützen. Dieser Schutz greift jedoch nicht mehr, wenn sich die Frauen mit Kinderwunsch im Ausland behandeln lassen. Denn durch die Anonymität vieler Spenderinnen wird das Kind später nicht erfahren, wer seine leibliche Mutter ist – in Deutschland ist das ein Persönlichkeitsrecht.  Durch mangelnde Beratungsoptionen in Deutschland wird das Kind zusätzlich einem gesundheitlichen Risiko ausgesetzt. Letztlich sind durch das Verbot in Deutschland, aber der medizinischen Machbarkeit im Ausland, alle – die Spenderin, die werdende Mutter und das Kind –  einer erhöhten Gefahr ausgesetzt.

Deshalb sollte es auch in Deutschland eigene gesetzliche  Standards geben, die es Paaren ermöglichen, eine legale Eizellenspende durchführen zu lassen. Sowohl Mutter, als auch Spenderin könnten sich so umfassend von Medizinern über Risiken aufklären lassen, statt sich Informationen auf unseriösen Internetseiten zusammenzusuchen. Auch der anonymen Eizellenspende könnte so Einhalt geboten werden.

Besonders wichtig: Transparenz

Anonyme Samenspenden sind in Deutschland ebenfalls nicht erlaubt. Ebenso müssten die Bedingungen, unter denen die Eizellen gespendet werden, transparent gemacht werden, um Ausbeutung und Kommerzialisierung von Schwangerschaften zu verhindern.

Sicher würde die Eizellenspende in Deutschland durch die Legalisierung erst etabliert werden. Das darf man ethisch fraglich finden, aber: Die Paare wählen den Weg ohnehin.  Sie tun es bereits, trotz der Risiken. Insgesamt wurden im Jahr 2012 in 25 erfassten europäischen Ländern mehr als 33.000 Eizellen-Behandlungen verzeichnet. Zwischen 2010 und 2012 gab es in Tschechien einen Anstieg von 39 Prozent, in Spanien von rund 23 Prozent. 

Man kann dafür sorgen, dass Paare und Ärzte aus der Heimlichkeit heraustreten können, indem die Spende durch Legalisierung enttabuisiert und entkriminalisiert wird. So wird das Risiko für alle geringer und das Kind, der verletzlichste  Akteur, geschützt.

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