Drei Jahre ist es her, da meinte die Union, das ultimative Argument gegen die Konkurrenz von den Grünen gefunden zu haben: Die Auseinandersetzung um den Bahnhof Stuttgart 21 waren auf ihrem Höhepunkt. Angela Merkel warnte davor, sich dem Bau von Stromtrassen zu verweigern. Die CSU ließ in einem Video ein grünes Strichmännchen mit einer Steinschleuder hantieren, ein Schlagersängerstimmchen trällerte, er sei froh, nicht grün und damit gegen alles zu sein. Die CDU schaltete eine grün gefärbte Website mit der Adresse www.die-dagegen-partei.de.
Inzwischen leitet die Webadresse um auf die Seite der CDU, was vermutlich kaum beabsichtigt, aber eine Art Ironie des Schicksals ist. Und obwohl die Pläne für die große neue Nord-Süd-Stromtrasse mit CSU-gemäßen Kraft-Vokabeln gefeiert wird, als „Hauptschlagader und Rückgrat der Energiewende“ und „elektrische Autobahn ohne Abfahrten“, ist es ausgerechnet Horst Seehofer, der jetzt erst einmal Nein sagt. Ein Moratorium fordert die bayerische Landesregierung, alle Pläne müssten noch einmal genau verglichen werden. Im Grunde ist das löblich, schließlich greift es den Protest und die Bedenken betroffener Bürger auf.
Aber die Einsicht kommt ausgerechnet kurz vor der Kommunalwahl im März. Bürger mit Angst vor Grundstücksentwertung und Elektrosmog will sich die CSU da nicht zumuten. Vermutlich bastelt man gerade an einem Loblied aufs Dagegen-Sein.
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