Kommentar zur Pleiten-Serie

1. FC Union Berlin: Fehlende Effizienz ist nicht der Grund für die Krise

Der 1. FC Union Berlin verliert zum fünften Mal in Serie und hadert danach mal wieder mit mangelnder Effizienz. Doch die Probleme sind größer. Ein Kommentar.

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Robin Gosens wird seiner Führungsrolle beim 1. FC Union Berlin bislang noch nicht gerecht.

Robin Gosens wird seiner Führungsrolle beim 1. FC Union Berlin bislang noch nicht gerecht.

© Bernd Weißbrod/dpa

Zwei Partien hatte es in dieser Spielzeit gebraucht, da war der 1. FC Union Berlin Tabellenführer der Fußball-Bundesliga. 4:1 gegen Mainz, 4:1 in Darmstadt – der perfekte Saisonstart! Vier weitere Spiele und einen Monat später, Mainz und Darmstadt stehen in der Tabelle ganz unten, ist von der Anfangseuphorie nichts mehr übrig. Null Punkte haben die Köpenicker seitdem geholt und dabei phasenweise arg enttäuschenden Fußball gespielt.

Nach der 0:1-Niederlage bei Aufsteiger Heidenheim bemühte Trainer Urs Fischer einmal mehr das Bild vom fehlenden Abschlussglück, von mangelnder Effizienz vor dem gegnerischen Tor. Das hatte er schon nach der Pleite in Wolfsburg (1:2) und dem zurückliegenden Heimspiel gegen Hoffenheim (0:2) getan, wobei er sich am vergangenen Wochenende nach der schlechtesten Halbzeit dieser Saison mit seiner Aussage nur auf die 45 Minuten des zweiten Durchgangs bezogen hatte. 

Die erneute Harmlosigkeit vor dem gegnerischen Tor ist aber sicher nicht der Hauptgrund für die unter Fischer einmalige Negativserie. In Abwesenheit von Abwehrchef Robin Knoche und Dauerbrenner Rani Khedira fehlt es der Mannschaft an Spielern, die auf dem Platz das Heft des Handelns in die Hand nehmen! Kapitän Christopher Trimmel ist sportlich nicht unumstritten, spielte zwar in Heidenheim 90 Minuten, saß zuletzt aber öfter auf der Bank.

Sheraldo Becker, der hinter dem Österreicher und Khedira dritter Kapitän ist, wollte eigentlich schon gar nicht mehr in Berlin sein. Der Angreifer hatte (erfrischend ehrlich!) keinen Hehl daraus gemacht, bei einem anderen Verein einen finanziell lukrativeren Vertrag unterschreiben zu wollen. Eine Woche vor Ende der Transferperiode verletzte er sich dann beim Sieg in Darmstadt, ein möglicher Wechsel war endgültig vom Tisch.

Robin Gosens? Leonardo Bonucci? Klangvolle Namen, aber auf dem Rasen bislang noch keine wesentlichen Verstärkungen. Lucas Tousart, auch ein potenzieller Führungsspieler, merkt man seine fast zweimonatige Verletzungspause logischerweise noch an, der Rest entpuppt sich derzeit als mitlaufende Masse.

Ja, Union hatte auch in Heidenheim genug Chancen, ein Tor zu erzielen. Doch die Gelegenheiten fielen fast ausnahmslos in die Stunde vor dem letztlich entscheidenden Gegentreffer. Nach dem Rückstand erspielten sich die Eisernen keine ernsthafte Strafraumsituation mehr. Da war kein Ruck, der durch die Mannschaft ging. Da war kein unbändiger Wille zu sehen, dieses Spiel auf keinen Fall verlieren zu wollen.

Und dann sind da noch merkwürdige Einzelfälle im Kader, die – Stand heute – nichts Gutes für den weiteren Saisonverlauf verheißen. Brenden Aaronson, als Kreativspieler verpflichtet, saß in Heidenheim 90 Minuten auf der Bank. Wo es doch gerade in einem solchen Spiel eine pfiffige Idee gebraucht hätte. Doch der US-Amerikaner scheint schon früh in der Saison meilenweit von seiner Bestform entfernt zu sein, war an noch keinem einzigen Treffer als Schütze oder Vorbereiter beteiligt.

Es bedarf einer gewaltigen Steigerung in allen Mannschaftsteilen, soll in den nächsten Bundesliga-Spielen die Trendwende eingeläutet werden. Nacheinander geht es gegen die Top-Teams Borussia Dortmund und VfB Stuttgart. Holt Union auch da keine Punkte, dürfte das einzige Ziel bis Weihnachten sein, nicht ernsthaft in den Abstiegskampf zu geraten.

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