Man kann gegen den Sieger der ukrainischen Parlamentswahlen, Petro Poroschenko, viel einwenden. Der Mann ist schon lange in der Politik, er ist ein Vertreter jener alten Elite, die das Land gemeinsam blockiert und ruiniert hat. Er ist außerdem Milliardär und kein glaubhafter Kämpfer gegen die Oligarchie, wie ihn sich viele auf dem Kiewer Maidan wünschten.
Und dennoch ist die Wahl vom Sonntag für die Ukraine besser ausgegangen, als man zu hoffen wagte. Nach all den düsteren Nachrichten ist dieses Ergebnis ein Lichtstreif am Horizont. Es ging ja darum, dass ein Land am Rande des Bürgerkriegs wieder eine handlungsfähige Führung erhält. Das haben die Bürger ihm gegeben. Sie sind zahlreich an die Urnen geströmt, sie haben ein eindeutiges Votum gefällt, und sie haben einen Mann der Mitte und des Kompromisses gewählt.
Der größte Sieg für das Land ist aber, dass auch der Süd-Osten des Landes eifrig gewählt hat. Diese Region, die Wladimir Putin neuerdings als „Neurussland“ (Noworossija) bezeichnet und als Protektorat des Kreml ansieht, reicht von Charkow bis Odessa. Einzig im ostukrainischen Donbass ist die Wahl ganz und gar gescheitert. Der neue Präsident ist von einem großen Teil seines Volkes legitimiert worden, aber eben nur von einem Teil. Nun muss er diese Legitimationslücke nachträglich schließen, und das heißt: zeigen, dass er von gewichtigen Kräften im Donbass anerkannt wird.
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