Jetzt haben sie wieder zugeschlagen. Die Unruhestifter des Vereins Zentrum für politische Schönheit haben sich eine neue Aktion ausgedacht, um die Gesellschaft aus ihrer Lethargie in Bezug auf den europäischen Umgang mit Flüchtlingen zu schütteln. Wie schon bei der Entwendung der Mauerkreuze am Reichstagsgebäude, die abmontiert und in einer spektakulären Aktion angeblich an die europäischen Außengrenzen gebracht worden waren, folgt auch die neue einer durchkomponierten Choreographie. Die Methode ist immer dieselbe: Aufsehen erregen, haarscharf jenseits der Grenze des guten Geschmacks entlang balancieren und erst sehr spät das Ganze in einen Witz mit durchaus ernstem Hintergrund verwandeln.
Auch diesmal haben die Aktivisten des Projekts richtig dick aufgetragen. Angeblich haben sie Tote im griechischen Hinterland ausgegraben und Leichen aus italienischen Kühlkammern gezerrt, um sie dann vor dem Kanzleramt und an anderen Orten in Berlin würdevoll beizusetzen. Bevor jetzt aber wieder die Empörungsmaschinerie anläuft (was sicher durchaus gewollt ist), sollte man sich einfach mal ganz in Ruhe das Video zur Aktion ansehen. Zu den Bildern von Menschen, die in der Erde graben, preist ein Sprecher im Stil einer Promotionsaktion das Event an – mit Musik untermalt und Crowdfunding.
Ein Theaterregisseur zieht die Fäden
Eingedenk der Aktion mit den Mauerkreuzen, sollte man sich in Erinnerung rufen, dass Schein und Sein bei dieser Künstlergruppe nicht deckungsgleich sind. Es ist ein Theaterregisseur, der hier die Fäden zieht, er macht Straßentheater mit einer politischen Agenda. Es ist PR für eine andere Flüchtlingspolitik. Nur anders als beim letzten Mal wissen wir das ja jetzt. Wir können uns also entspannt zurück lehnen und das Theaterstück bis zum Ende ansehen, bevor wir uns empören oder Beifall klatschen.
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