Die Mächtigen von Mitrovica, die seit dem Kosovo-Krieg vor vierzehn Jahren allen Versöhnungsversuchen widerstanden und allen ausländischen Missionen das Leben schwer gemacht haben, fechten ihr letztes Gefecht. „Nein zu den Schiptar-Wahlen“, steht auf unzähligen Plakaten, und eines zeigt die Regierungschefs Serbiens und des Kosovo beim Handschlag. Darunter steht: „Ich hätte mir nicht die Hände schmutzig gemacht.“ Die „Schiptari“, wie die Albaner abschätzig bezeichnet werden, spielen hier seit vierzehn Jahren die Rolle des Schreckgespensts. Jetzt ist ein neuer Feind hinzugekommen: Belgrad. Im April hat die neue serbische Regierung aus Fortschrittlern und Sozialisten mit den „Schiptari“ vereinbart, nun endlich auch den serbischen Norden des Kosovo in die Behördenstruktur des „Gebildes“ einzubeziehen, das man in Belgrad noch nicht Staat nennen will.
Am Sonntag sollen die Serben im Norden des Kosovo zum ersten Mal an einer Wahl teilnehmen, die nicht von Serbien, sondern von der seit 2008 unabhängigen Republik Kosovo organisiert wird. So will es die Regierung in Prishtina, so will es die EU, und so will es nun auch Belgrad. Die serbischen Regierungsparteien haben auch eine Liste zusammengestellt, die „Bürgerinitiative Srpska“, die in allen Gemeinden antritt. In Mitrovica kandidiert Ex-Bürgermeister Krstimir Pantic für die Liste. Mit gesellschaftlicher Integration hat er nichts im Sinn. Pantic organisierte noch vor drei Jahren gewaltsame Krawalle gegen die EU-Mission Eulex. Wählen müsse man jetzt, so Pantic, damit die Gewählten dann „mit vollen Rechten“ sagen könnten, dass „wir Bürger der Republik Serbien und keine Kosovaren sind“.
Serben leben noch etwa 70.000 bis 80.000 im Kosovo, gut die Hälfte nördlich des Flusses Ibar, in Mitrovica und drei kleinen Gemeinden nördlich davon. Knapp die Hälfte aber lebt in Enklaven im viel größeren, albanisch dominierten Süden. Für ihre Sicherheit ist es unabdingbar, sich mit den Albanern zu arrangieren. Und genau das haben diese Serben schon seit mehreren Jahren getan. Viele von ihnen, darunter der Bürgermeister von Gracanica, Bojan Stojanovic, sehen deshalb die „Bürgerinitiative Srpska“ kritisch. In Wirklichkeit, so der Verdacht, geht es Belgrad gar nicht um die Wahlbeteiligung. Serbische Gemeinden im Kosovo dürfen künftig eine Gemeinschaft mit eigenen exekutiven Befugnissen und mit besonderen Beziehungen zu Serbien bilden. „Es geht um Macht“, sagt Stojanovic.
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