Berlinale-Kolumne

Hier gibt's wenig zu lachen

Die letzten 30 Jahre hat nie eine Komödie den Goldenen Bären gewonnen.

Jochen-Martin Gutsch
3 Min
Nach Humor kann man im Berlinale-Programm manchmal lange suchen.

Nach Humor kann man im Berlinale-Programm manchmal lange suchen.

© Markus Wächter

In den vergangenen Tagen sah ich drei Filme. Alle waren irgendwie deprimierend.

Ein Film kam aus Korea und trug den schönen Titel „Inkan, gongkan, sikan, grigo, inkan“. Die Handlung lässt sich kurz so beschreiben: Auf einem Schiff, das ein ganz normales Schiff ist, aber das plötzlich durch die Wolken fliegt, kommt es zu einer Meuterei. Vergewaltigungen und Kannibalismus sind die Folge. Eine Frau schneidet sich ein Stück Fleisch aus dem Arm und füttert damit einen Mann, der sie kurz zuvor vergewaltigt hat. Gott ist auch an Bord, im Schiffsrumpf baut er Gemüse an. Als ich aus dem Kino ging, dachte ich: Die Koreaner und das Koreanische Kino sind schon extrem schräg drauf. Aber Exzentrik muss ja nicht schlecht sein!

Der Film „La Cama“ beginnt damit, dass ein Ehepaar jenseits der 50 versucht miteinander zu schlafen. Aber der Mann bekommt keine Erektion. Damit dies nicht nur filmische Behauptung bleibt, läuft der Mann immer wieder erschlafft durchs Bild, direkt in die Kamera. Leider saß ich im Kino in der zweiten Reihe. Nach dem Film kann ich vermutlich nie wieder wertfrei in eine Bockwurst beißen.

Die Berlinale zeichnet sich nicht durch Humor aus

Überhaupt sind die beiden Darsteller fast immer nackt oder halbnackt. Sie reden nur wenig. Der Mann schnarcht oft. Die Frau schaut deprimiert. Ansonsten passiert nicht viel. Am Ende verspürte ich große Sehnsucht nach etwas Heiterkeit.

Aber wo findet man Heiterkeit auf der Berlinale?

Rasch ging ich in den nächsten Film: „14 Apples“ aus Taiwan. Die Handlung: Ein Mann leidet unter Schlaflosigkeit. Ein Wahrsager rät ihm zu einer Kur in einem buddhistischen Kloster, wo er jeden Tag einen Apfel essen soll. Minutenlang zeigt der Film wie der Mann einen Apfel isst. Da bin ich dann weggenickt.

Später, auf dem Nachhauseweg, wurde mir klar, dass vermutlich drei Dinge einen typischen Berlinale-Film auszeichnen: Wenig Dialog. Lange szenische Einstellungen. Und vor allem: kein Humor. Sicher gibt es unter den aktuellen 400 Berlinale-Filmen auch eine Komödie. Oder zwei. Dieter Kosslick, der Festival-Chef, sagte mal: „Die Berlinale ist kein Komödien-Festival.“ Ja, leider. Anscheinend gibt es hier noch immer die sehr deutsche Vorstellung, dass ein Film umso besser ist, umso weniger gelacht wird. Und dass sich die Welt und ihre Krisen stets nur mit hundertvierzig Kilo Bedeutungsschwere zuverlässig vermessen lassen. Was ja an sich schon wieder komisch ist.

In den vergangenen 30 Jahren hat noch nie eine Komödie den Goldenen Bären gewonnen.

Mein Tipp: Daran wird sich auch in den nächsten 30 Jahren nichts ändern.

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