Das russische Raumfahrtunternehmen Bureau 1440 hat am Abend des 23. März erstmals eine Serienpartie von 16 Satelliten der niedrigen Erdorbit-Konstellation „Rassvet“ ins All gebracht. Die Satelliten wurden mit einer Sojus-2.1B-Trägerrakete erfolgreich in eine Übergangsumlaufbahn befördert, wie das Unternehmen der Wirtschaftszeitung Kommersant mitteilte.
Nach Angaben von Bureau 1440 wurden die Satelliten vom firmeneigenen Kontrollzentrum übernommen. Sobald die Bordssysteme überprüft und hochgefahren sind, sollen die Raumfahrzeuge ihre Zielumlaufbahn ansteuern. Die Satelliten nutzen laut Kommersant unter anderem 5G-NTN-Kommunikationstechnik, Laser-Terminals für die Verbindung zwischen Satelliten sowie Plasmaantriebe.
Die Konstellation soll Breitband-Internetzugang in ganz Russland ermöglichen und gilt als staatlich gefördertes Gegenstück zu Elon Musks Starlink-Netzwerk, wie die Moscow Times berichtet. Ursprünglich war der Start der ersten Serienpartie für 2025 vorgesehen, wurde jedoch auf 2026 verschoben.
Kommerzielle Betrieb könnte schon nächstes Jahr starten
Alexei Schelobkow, Geschäftsführer des Mutterkonzerns IKS Holding, erklärte gegenüber Kommersant, dass die nächste Phase der Entfaltung Dutzende weiterer Starts erfordern werde. „Das ist ein komplexer ingenieurtechnischer Weg, der mit technologischen Risiken verbunden ist“, so Schelobkow.
Laut Moscow Times hatte Roskosmos-Chef Dmitri Bakanow zuvor angekündigt, dass bis 2035 mehr als 900 Satelliten des Rassvet-Netzwerks in den Orbit gebracht werden sollen. Der kommerzielle Betrieb mit über 250 Satelliten könnte demnach bereits im kommenden Jahr beginnen.
Das Projekt wird im Rahmen des russischen Nationalprojekts „Datenwirtschaft“ finanziert. Wie Kommersant berichtet, sind 102,8 Milliarden Rubel (rund 1,26 Milliarden US-Dollar) aus dem Bundeshaushalt eingeplant. Bureau 1440 will laut Moscow Times zusätzlich 329 Milliarden Rubel (rund 4 Milliarden US-Dollar) an Eigenmitteln bis 2030 investieren. Bislang befinden sich sechs Testsatelliten des Unternehmens im Orbit. Zum Vergleich: SpaceX hat seit 2019 bereits mehr als 7000 Starlink-Satelliten ins All gebracht.
Starlink-Sperre erhöht den Druck auf Russland
Der Aufbau einer eigenen Satellitenkonstellation hat für Moskau auch militärische Dringlichkeit. SpaceX hatte zuvor in Zusammenarbeit mit der Ukraine nicht verifizierte Starlink-Terminals gesperrt, die russische Truppen zuvor illegal über Drittstaaten beschafft und an der Front zur Koordination von Drohneneinsätzen genutzt hatten. Der ukrainische Elektronikexperte Serhii Beskrestnow erklärte, ein Großteil der russischen Einheiten habe daraufhin den Zugang zum Satelliteninternet verloren. Russische Militärblogs kritisierten die entstandene Abhängigkeit von einer Technologie außerhalb eigener Kontrolle.
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