Konrad Fischer Galerie in Berlin: Verwirrend verdoppelt und wiederholt

Mögen andere Leute an Klaustrophobie leiden, sobald sie in enge, verschachtelte Räume, in Tunnel, Höhlen, Röhren geraten – für Gregor Schneider scheint genau das der kreative Moment zu sein. Sozusagen Idealzustand für das, was schlechthin als Kunstausdruck gilt. Der eigenwillige Konzeptualist, Fotograf und Bastler aus Mönchengladbach-Rheydt – 2001 für sein herrlich vertracktes „Totes Haus Ur“ im deutschen Pavillon der Biennale Venedig mit dem Goldenen Löwen geehrt, baut so obsessiv wie präzise bereits vorhandene Räume ...

BLZ
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Mögen andere Leute an Klaustrophobie leiden, sobald sie in enge, verschachtelte Räume, in Tunnel, Höhlen, Röhren geraten – für Gregor Schneider scheint genau das der kreative Moment zu sein. Sozusagen Idealzustand für das, was schlechthin als Kunstausdruck gilt. Der eigenwillige Konzeptualist, Fotograf und Bastler aus Mönchengladbach-Rheydt – 2001 für sein herrlich vertracktes „Totes Haus Ur“ im deutschen Pavillon der Biennale Venedig mit dem Goldenen Löwen geehrt, baut so obsessiv wie präzise bereits vorhandene Räume nach.

Gerade tat er das in der Berliner Konrad Fischer Galerie, den hallenartigen Raum füllt sein Londoner „Die Familie Schneider“-Projekt von 2004. Damals wohnte der heute 45-Jährige samt Anhang in East London, Stadtteil Whitechapel, in der Walden Street Nr. 14 sowie Nr. 16. Die Schneiders lebten also doppelt, das heißt, der Künstler hatte, für die zweite Wohnung, ein Double-Pärchen engagiert. Und von den Tapeten bis zur Kücheneinrichtung, vom Bett bis zum Kühlschrank-Inhalt, vom Duschvorhang bis zum Spiegel war alles identisch. Inklusive der Verrichtungen, etwa in der Küche und im Bad. Von dieser absurden Situation erzählen Schneiders Video und drei wandfüllenden Foto-Tableaus, weit über 100 streng holzgerahmte Schwarz-Weiß-Aufnahmen des beklemmenden, surrealen und wie Isolationshaft wirkenden Haus-Projekts.

In Dreierreihen postiert, bietet sich ein verwirrendes Schau-Spiel durch Verdoppelung und Wiederholung, der wie geklonten Dinge und Bewohner. Und das Irre an dem Konzeptkunst-Geschehen ist, dass eigentlich nichts passiert. Der Betrachter wird, fast wie im Hitchcock-Film „Fenster zum Hof“, zum Versuchsobjekt, mit den eigenen Phantasmen und Ängsten umzugehen.

Mitten im Galerieraum von Konrad Fischer steht eine enge weiße Raumzelle, „Nursery“ (Kinderzimmer). Ausgekleidet mit Dekortapete, Heizkörper, Liege, Plastikdosen mit Essen und Süßigkeiten. Hier werden Begriffe wie Isolation und Verlust (von Geborgenheit, Heimat, Nähe, Vertrautheit usw.) zur materiellen Gewalt. Es stellen sich einem die Nackenhaare auf bei der Vorstellung, darin müsste wirklich ein Kind leben. Man denkt unweigerlich an ungeliebte, eingesperrte, vernachlässigte, entführte, Verbrechen ausgesetzte Kinder. An diesem Punkt wird Gregor Schneiders Kunst der Vertracktheit und Absurdität sozialkritisch, ja nachdrücklich politisch.

Schneider, der jüngst in der Volksbühne seine „Liebeslaube“ einpackte und ab diesem Wochenende in der Warschauer Nationalgalerie Zacheta „unsubscribe“ zeigt – als krude Installation aus Schutt von Goebbels Geburtshaus bei Rheydt – wird diese spektakuläre Erinnerungsarbeit ab 5. Dezember in der Volksbühne fortsetzen.

Was immer er also macht , ihn interessiert die Wirkung von Orten und Resten. Geschichtsbelastete Häuser, Räume. Er will etwas über das Sichtbare hinaus transportieren, also baut er die Orte nach – bis zum vermeintlichen Irrsinn. Er setzt Wände vor Wände, Räume in Räume, mauert Objekte ein. Teile des Raumes bewegen sich unmerklich. Das hermetisch Geschlossene, Unterirdische, Verborgene, Verlorene spielt immer eine zentrale Rolle. Gregor Schneider stört es auf.

Konrad Fischer Galerie, Lindenstr. 35 (Kreuzberg). Bis 10. Januar 2015, Di–Fr 11–18/Sa 11–14 Uhr, Tel.: 5059-6820.

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