Konsequenzen aus der Krise

Wie der ADAC den Neustart versucht

Der imagemäßig schwer angeschlagene ADAC gab sich während seiner Hauptversammlung reumütig und reformbereit. Echte Änderungen sind jedoch nicht in Sicht. Immerhin hat der Club ein spezielles Internet-Portal für Wistleblower eingerichtet.

Thomas Magenheim
3 Min
Noch längst nicht aufgehoben: die Großbaustelle ADAC.

Noch längst nicht aufgehoben: die Großbaustelle ADAC.

© dpa/Harry Melchert Lizenz

Deutschlands mitgliederstärkster Verein sieht sich auf Reformkurs. „Die Krise hat den ADAC wachgerüttelt“, sagte Interims-Chef August Markl am Wochenende nach der Hauptversammlung des Clubs in Saarbrücken und wurde dann selbstkritisch. Es sei viel Wahres an jüngster Kritik, der ADAC sei zu einer vor allem am Geldverdienen verkommenen Organisation geworden. „Das rücken wir wieder gerade“, verspricht der Übergangspräsident, für den sich bislang kein Nachfolger gefunden hat. Der Job ist angesichts der aufgelaufenen Probleme und Skandale heikel, zumal mit Beharrungskräften alter Seilschaften zu rechnen ist.

Angefangen mit massiven Manipulationen beim ADAC-Autopreis „Gelber Engel“ hat eine Reihe weiterer Ungereimtheiten bei der Pannenhilfe, Funktionärsflügen mit Rettungshubschraubern oder fragwürdigen Verflechtungen von Ehren- und Hauptamt den Club seit Mitte Januar in eine tiefe Krise gestürzt. Nun soll sich einiges, aber bei Weitem nicht alles ändern. „Der ADAC bekennt sich zum Verein“, ist eine zentrale Botschaft aus Saarbrücken. Das hat der Club aber nicht selbst in der Hand. Gerichte prüfen derzeit den Vereinsstatus, an dem steuerliche Vorteile hängen.

„Der ADAC wird sich weiterhin wirtschaftlich betätigen“, ist ein zweites zentrales Bekenntnis, das allzu radikale Veränderungen ausschließt. Verein und kommerzielle Aktivitäten sollen lediglich stärker getrennt werden. Ein erster Schritt dazu ist die erstmalige Vorlage einer Konzernbilanz Ende Juni.

Externe Experten in den Gremien

Bislang ist das Geflecht dutzender Tochterfirmen, der 18 Regionalclubs und der Zentrale in München von außen kaum zu durchschauen. Bekannt ist nur, dass der Verein von seien 19 Millionen Mitgliedern jährlich gut eine Milliarde Euro Beitrag kassiert und die Wirtschaftstöchter noch einmal eine ähnliche Summe umsetzen.

In einem Punkt herrscht nun Einsehen. Ehrenamtliche Funktionäre haben ihre Mandate in den Aufsichtsräten von Schutzbrief- und Rechtsschutzversicherung des ADAC zur Verfügung gestellt. Externe Experten treten an ihre Stelle. Die mindestens ebenso angreifbare Personalunion zwischen Funktionären und ADAC-Vertragsanwälten, die Geschäft mit Mandanten in deren Kanzleien schaufelt, bleibt dagegen vorerst bestehen.

Beispiele für eine Beschränkung der wirtschaftlichen Aktivitäten gibt es bislang nicht. Der ADAC werde seine wirtschaftlichen Ziele auf ein „sinnvolles Maß“ zurückführen, sagte Markl vage. Der Club wolle sich verkehrspolitisch bescheiden und in Fragen etwa einer Autobahnmaut für Ausländer vor einem öffentlichen Votum künftig erst seine Mitglieder befragen.

Edda Müller, die als Deutschland-Chefin der Anti-Korruptions-Organisation Tranparency International auch im jüngst formierten ADAC-Beirat sitzt, mahnte indes grundlegende Reformen an. Die bisherigen personellen Konsequenzen mit einem Rücktritt unter anderem des langjährigen Automobilclub-Präsidenten Peter Meyer würden nicht ausreichen. „Damit ist die ADAC-Welt längst nicht wieder in Ordnung“, sagte sie. Ende des Jahres wird klar sein, ob das auch die bisherigen Machthaber so sehen oder sie doch nur so viel wie möglich in die Zukunft retten wollen.

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