Die Spezialität Antonio Tajanis ist das Lavieren: Nicht zustimmen, nicht ablehnen, niemanden verärgern. So antwortete er auf die Frage der Grünen-Abgeordneten Terry Reintke zum Recht auf Abtreibung: „Ich habe meine persönlichen Ansichten. Aber ich respektiere andere.“ So ist der Italiener stets durchgekommen.
Tajani, 63, ist der Kandidat der christdemokratischen Fraktion. Im entscheidenden Wahlgang hat er die besten Chancen. Der Forza-Italia-Mann gehört seit 1994 dem Europaparlament an.
Zuvor hat der Jurist als Sprecher des italienischen Premiers Silvio Berlusconi gearbeitet. Eben jenem Mann, der Martin Schulz zu großer Bekanntheit verhalf, als er ihn 2003 im Europäischen Parlament beschimpfte und für die Filmrolle eines Kapo in einem KZ vorschlug. 2008 wurde Tajani EU-Kommissar, zunächst für Verkehr, dann – bis 2014 – für Industrie. In diese Zeit fällt der VW-Dieselskandal. Tajani beteuert, er habe schon 2012 vor mangelhaften Abgastests gewarnt. Kritiker werfen ihm vor, nicht genügend gegen die Schummeleien getan zu haben, die Grünen halten ihn wegen seiner Nähe zu Berlusconi für unwählbar. Seine Freunde preisen ihn als überzeugten Europäer und brillanten Netzwerker.
Tajani verspricht ein „souveränes Plenum“. Womit er wohl meint, dass im Falle seiner Wahl die Entscheidung bei den Abgeordneten liegen würde, nicht in der starken Hand des Parlamentspräsidenten. Ihm geht es mehr ums Amt als um Führung. (ptr.)
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