Im Vorfeld des UN-Klimagipfels COP30 im November in der brasilianischen Stadt Belém lässt die Regierung des Bundesstaates Pará eine neue vierspurige Schnellstraße mitten durch ein Schutzgebiet im Amazonas-Regenwald bauen. Wie Satellitenbilder zeigen, wurden dafür bereits Zehntausende Bäume auf einer Länge von über 13 Kilometern gerodet, wie die BBC berichtet.
Die als „Avenida Liberdade“ bezeichnete Straße soll den Verkehr in die 2,5-Millionen-Einwohner-Stadt erleichtern, in der im November über 50.000 Teilnehmer zum Klimagipfel erwartet werden, darunter zahlreiche Staats- und Regierungschefs.
„Nachhaltiges“ Bäumefällen
Die Behörden preisen das Bauprojekt als „nachhaltig“, da es Wildtierbrücken, Radwege und Solarbeleuchtung vorsieht. Umweltschützer und Anwohner sind jedoch empört über die Zerstörung des Regenwaldes, der eine wichtige Rolle für die Aufnahme von Kohlendioxid und den Erhalt der Artenvielfalt spielt.
„Alles wurde zerstört“, klagt der Anwohner Claudio Verequete gegenüber der BBC. Die Bäume, von denen er Açaí-Beeren erntete, seien gefällt worden. Für den Verlust seines Einkommens habe er keinerlei Entschädigung von der Regierung erhalten. Auch befürchtet er, dass die neue Straße zu weiterer Abholzung führen wird, sobald das Gebiet besser zugänglich ist.
Schwerer Eingriff in Lebensraum
Tierschützer warnen, dass die Straße den Lebensraum vieler Arten zerschneiden und deren Wanderung behindern wird. „Landtiere werden nicht mehr auf die andere Seite gelangen können, was die Gebiete reduziert, in denen sie leben und sich fortpflanzen können“, erklärt die Wildtierärztin Prof. Silvia Sardinha von einer Tierklinik an der geplanten Trasse.
Brasiliens Präsident Lula da Silva und Umweltministerin Marina Silva betonen dagegen die Bedeutung des Gipfels. Es sei „eine Konferenz im Amazonas, nicht über den Amazonas“, so Silva. Der Gipfel biete die Gelegenheit, den Regenwald der Welt zu präsentieren und die Schutzmaßnahmen der Regierung aufzuzeigen.
Übliche Konflikte um Großevents
Während einige Ladenbesitzer in Belém auf einen Wirtschaftsaufschwung durch den Gipfel hoffen, fühlen sich viele direkt Betroffene von der Regierung übergangen. „Auf sehr hoher Ebene finden diese Gespräche statt, zwischen Geschäftsleuten und Regierungsvertretern“, kritisiert Prof. Sardinha. Die Perspektive der Bewohner des Amazonasgebiets werde dagegen „nicht gehört“.
Selbst Klimaskeptiker wie der ehemalige US-Präsident Donald Trump werfen den Veranstaltern Doppelmoral vor. „Sie haben den Regenwald Brasiliens zerfetzt, um eine vierspurige Autobahn für Umweltschützer zu bauen. Es ist ein großer Skandal geworden!“, schrieb Trump auf seiner Social-Media-Plattform Truth Social.
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In den sozialen Medien häufen sich Kommentare, die auf die Widersprüchlichkeit hinweisen, für einen Klimagipfel Regenwald zu zerstören. „Wenn sie den Klimawandel wirklich für eine drohende Katastrophe hielten, würden sie dann die Lunge des Planeten für ihre eigene Bequemlichkeit zerstören?“, fragt ein Nutzer.
Tatsächlich wächst die Kritik an der ökologischen Bilanz internationaler Großveranstaltungen wie der COP30. Für viele Kritiker steht die „Avenida Liberdade“ symbolisch für die Kosten, die der Transport Tausender Delegierter rund um den Globus und der Bau neuer Infrastruktur für die Umwelt mit sich bringen.
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