Nach Hausdurchsuchung

Korruptionsskandal in der Ukraine: Selenskyjs Stabschef Andrij Jermak tritt zurück

Selenskyjs Stabschef Andrij Jermak tritt zurück. Ukrainische Antikorruptionsbehörden hatten am Freitagmorgen sein Büro durchsucht.

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Andrij Jermak, Chef des ukrainischen Präsidialamtes, ist zurückgetreten.

Andrij Jermak, Chef des ukrainischen Präsidialamtes, ist zurückgetreten.

© KEYSTONE

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat am Freitagnachmittag bekannt gegeben, dass sein Stabschef Andrij Jermak vor dem Hintergrund eines Korruptionsskandals seinen Rücktritt eingereicht hat, wie mehrere Medien übereinstimmend berichteten.

„Es wird eine Neubesetzung im Präsidialamt geben“, erklärte Selenskyj laut dem Kyiv Independent in einer Stellungnahme. „Andrij Jermak, der Leiter des Präsidialamtes, hat seinen Rücktritt eingereicht. Ich bin Andrij dankbar, dass er die Position der Ukraine in den Verhandlungen stets genau so vertreten hat, wie sie sein musste.“

Selenskyj sagte weiter, er wolle „Gerüchte und Spekulationen vermeiden“, und fügte hinzu, er werde am Samstag Konsultationen mit „denjenigen abhalten, die diese Institution leiten könnten“. Jermak gilt als enger Vertrauter Selenskyjs und führte bisher das ukrainische Verhandlungsteam bei den Friedensgesprächen.

Die Verhandlungen sollen laut dem ukrainischen Onlineportal Ukrainska Pravda nun von dem Chef des Generalstabs Andrij Hnatow, Vertretern des Außenministeriums und der Geheimdienste sowie dem Sekretär des Nationalen Sicherheits- und Verteidigungsrates, Rustem Umerow, geführt werden.

Ermittler durchsuchten Jermaks Büro

Zuvor hatten Ermittler des Nationalen Antikorruptionsbüros (Nabu) gemeinsam mit der spezialisierten Antikorruptionsstaatsanwaltschaft (Sapo) das Büro von Jermak durchsucht. Die Durchsuchung am Morgen des 28. November erfolgte offiziell im Zuge der Untersuchung gegen mutmaßliche Beteiligte der Affäre rund um den staatlichen Stromkonzern Energoatom – bekannt geworden als „Operation Midas“.

Die Nationale Antikorruptionsbehörde Nabu hatte vor wenigen Wochen acht Verdächtige angeklagt, darunter jahrelange enge Vertraute Selenskyjs. Berichten zufolge soll ein Geflecht rund um den Geschäftsmann Timur Minditsch Millionen veruntreut haben. Betroffen sind ranghohe Regierungsmitglieder, beispielsweise mussten der Justizminister und die Energieministerin ihre Posten räumen.

Nach Informationen der Zeitung Kyiv Independent war eines der Luxushäuser in der Nähe von Kiew, das durch die Energoatom-Korruption finanziert wurde, für Jermak bestimmt. Das ukrainische Onlineportal Ukrainska Pravda berichtete am 24. November unter Berufung auf Quellen aus den Strafverfolgungsbehörden, dass Jermak in den Korruptionsskandal verwickelt sei und von den Ermittlern als „Ali Baba“ bezeichnet werde.

Der Energoatom-Skandal hat in der Ukraine zu erheblichen politischen Spannungen geführt. Das Vertrauen in Teile der Regierung ist stark erschüttert. Dennoch verzichtete Selenskyj bisher darauf, Jermak zu entlassen – obwohl mehrere enge Mitarbeiter und Abgeordnete dies empfohlen hatten. Jermak erklärte, er kooperiere vollumfänglich mit den Ermittlern.

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