Die guten Nachrichten der vergangenen Tage müssen für Björn von Swieykowski und sein Team Balsam für die Seele gewesen sein. Als einer von vier Betreibern des im Juli ausgebrannten Festsaal Kreuzberg kann er wieder neue Hoffnung schöpfen. „Unterschiedliche Gutachter haben das Gebäude und die Bausubstanz untersucht und uns ein positives Signal gegeben: Die Grundmauern sind in Ordnung und können stehen bleiben, auch die Stahlträger der Dachkonstruktion sind okay, ein Abriss ist somit eher unwahrscheinlich.“
Ein endgültiges Gutachten stehe allerdings noch aus – doch in diesen Tagen wird immer deutlicher, dass eine Sanierung des Festsaals zum Greifen nahe ist. Einem Wiederaufbau steht also nichts im Weg? „Das muss am Ende die Versicherung entscheiden aber wir sind optimistisch.“
Ein Wiederaufbau käme in diesem Fall einer Wiedergeburt gleich, auch wenn das für Außenstehende übertrieben klingen mag. Für die Betreiber ist der Veranstaltungsort in der Skalitzer Straße 130 eine Herzensangelegenheit, die vor neun Jahren begann. Unmengen Zeit, Energie und Geld haben Björn von Swieykowski und seine Mitstreiter in den Saal gesteckt – Geld, dass sie jetzt dringend benötigen und seit August sammeln.
Über eine Crowdfundingaktion sind so bereits über 18.000 Euro zusammengekommen. Peanuts, wenn man bedenkt, was die komplette Sanierung kosten wird. „Wir rechnen mit etwa 700.000 Euro für den Gebäude- und Innenaufbau“, schätzt Swieykowski. Das Spendenprojekt, das im Internet über die Plattform „startnext“ läuft, legt allerdings den Grundstein für den Wiederaufbau, erklärt der 40-Jährige. „Wenn wir 30.000 Euro zusammenkriegen, können wir davon einen umfangreichen Bauantrag sowie Gutachter, Anwälte, Architekten, Statiker und Vermessungsingenieure bezahlen.“
Förderverein in Gründung
Noch dieses Jahr müsse der Bauantrag gestellt werden – die Chancen dafür stehen äußerst gut. Bis zur Planungsphase und der Genehmigung des Baus werden noch einige Monate vergehen, doch die Veranstalter hoffen auf einen Baubeginn im Spätsommer 2014. „Ohne öffentliche Fördergelder und Kredite wird es den allerdings nicht geben“, ist sich Swieykowski bewusst, darum befinde man sich gerade in der Gründung eines Fördervereins, der entsprechende Lobbyarbeit leisten soll.
Die Online-Spendenaktion läuft zwar Ende November aus, aber auch darüber hinaus wird Geld gesammelt. So wird der Ticketshop des Festsaals um Soli-Produkte wie T-Shirts erweitert, es wird weitere Benefizveranstaltungen geben und die Einnahmen der künftigen Konzerte, die hauptsächlich ins Lido verlegt worden sind, kommen dem bald bestehenden Verein zugute.
Die Unterstützung durch Fans des Festsaals, Bands, Künstler und andere Berliner Clubs sei überwältigend – auch wenn diese oft nur symbolisch sein kann. „Die Welle der Symphatie hat uns getragen und wir waren dadurch oft ergriffen“, berichtet der Veranstalter. Finanziellen Zuspruch erhielten die Betreiber unverzüglich nach dem Brand vom Musicboard Berlin, ein Fonds des Berliner Senats, der vor einem Jahr ins Leben gerufen wurde und die Musikszene Berlins fördern soll. „Die sind von alleine auf uns zugekommen und haben uns ihre Hilfe angeboten. Das ging alles schnell und war unkompliziert.“
Markenzeichen Tribüne beibehalten
Dass der Festsaal an einer anderen Stelle weiterleben könnte, wäre für die Betreiber zwar denkbar, allerdings, erklärt Swieykowski, fühle man sich stark an die Gegend um das Kottbusser Tor gebunden. „Uns ist es wichtig, in dieser Ecke eine gewisse linksalternative Szene mit Konzerten, Lesungen und anderen kulturellen Events zu repräsentieren. Wir wollen verschiedene gesellschaftliche Gruppen ansprechen, dafür ist dieser Ort in Kreuzberg optimal.“
Die Sehnsucht nach einem Festsaal 2.0 ist groß, und erste Überlegungen, was sich baulich verändern könnte, gibt es auch schon: „Die Tribüne wollen wir als Markenzeichen auf jeden Fall beibehalten. Nur die Bühne, die könnte ein Stück breiter werden“, skizziert Björn von Swieykowski und freut sich wohl innerlich schon jetzt auf den Moment, wenn die erste Band diese neue, breitere Bühne betreten wird.
Die Betreiber wollen das kulturelle Programm am Kottbusser Tor in jedem Falle fortsetzen.
© Festsaal Kreuzberg Lizenz
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