Krach bei Brieffirma: Firmenchef Thiel tritt zurück, weil Springer seinen Anteil nicht verschenkt

Poker um Pin

Thomas H. Wendel
3 Min

BERLIN. Das Gerangel um die Zukunft des Post-Konkurrenten Pin bekommt bizarre Züge: Gestern gab der Chef der Luxemburger Pin Group, Günter Thiel, bekannt, von seinem Amt zurückzutreten. Gleichzeitig zog er zunächst sein Angebot zurück, den vom Springer-Verlag gehaltenen Anteil von 63,7 Prozent an Pin zu übernehmen. Am Abend kamen jedoch Gerüchte auf, Thiel habe sein Angebot sogar erhöht, wie die Süddeutsche Zeitung berichtete. Sie berief sich dabei auf Informationen aus dem Umfeld der Gesellschafter. Demnach wolle Thiel Springer bis 2018 und damit länger als bisher angeboten an Gewinnen nach einer Pin-Sanierung beteiligen. Zudem habe er dem Verlag das Rückkaufsrecht für Pin für den Fall eingeräumt, dass bis Ende März doch noch ein Mindestlohn von maximal 7,50 Euro für Briefträger vereinbart würde.Thiel selbst hatte gestern jedoch nur von seinem Rückzug gesprochen. Dieser wurde unter anderem mit dem "kommunikativen Verhalten" des Verlags begründet. Thiel spielt damit seine letzte Karte im Poker um die Kontrolle von Pin aus: Der Drohung mit einer Insolvenz des Unternehmens, weil nun auch Thiel nicht mehr bereit ist, die weiter auflaufenden Verluste bei Pin zu übernehmen. Springer hatte zuvor erklärt, vorerst keine weiteren Zahlungen mehr für das Unternehmen mit rund 10 000 Arbeitsplätzen leisten zu wollen.Springer: Thiel macht Kasse"Die Kommunikation des Hauses Springer während der Verhandlungsphase entbehrte jeder geschäftsüblichen Praxis und diente aus meiner Sicht alleine dem Zweck, die Verhandlungen zu torpedieren", heißt es laut Spiegel in einem Schreiben Thiels an Springer-Chef Matthias Döpfner. "Darüber hinaus gipfelt sie in den Medien in verleumderischen Aussagen und tendenziöser Berichterstattung gegen meine Person."Diese Anschuldigungen mochte Döpfner nicht auf sich sitzen lassen. Per Presseerklärung teilte Springer gestern mit, dass Thiels Angebot zur Übernahme der Pin-Mehrheitsanteile "inakzeptabel" gewesen sei. Thiel habe erst vor fünf Monaten für einen dreistelligen Millionenbetrag 13,5 Prozent seines damaligen Anteils von 23,5 Prozent an Springer veräußert. Nun aber wollte er sich im Gegenzug für die Übernahme des 63,7-Prozent-Anteils von Springer "lediglich zu einem ins eigene Ermessen gestellten Finanzierungsbeitrag zwischen null Euro und 50 Millionen Euro" verpflichten. Laut Springer betrage aber der Mittelbedarf bei Pin "mehr als 300 Millionen Euro". Gleichzeitig habe Thiel von Springer "zahlreiche Sach- und geldwerte Leistungen wie langjährige Darlehensstundungen" gefordert.Der Schlagabtausch zeigt: Die Nerven liegen bei Springer blank. 620 Millionen Euro soll der Konzern bereits ins Pin-Geschäft gesteckt haben. Geld, das Döpfner wenigstens teilweise retten will.------------------------------Im SinkflugGrafik: Die Aktie des Springer-Konzerns verlor deutlich an Wert. Zuletzt verhagelte den Anlegern die Mindestlohn-Entscheidung des Bundestags die Laune: Schließlich bedeutet die Einführung einer Lohnuntergrenze für die Briefbranche einen kostenträchtigen Weiterbetrieb oder Ausstieg bei Pin.An Pin hält die Axel Springer AG derzeit mit 63,7 Prozent die Mehrheit. Zudem sind unter anderem die Medienkonzerne Holtzbrinck (Zeit, Tagesspiegel), Madsack (Hannoversche Allgemeine) und WAZ (Westdeutsche Allgemeine Zeitung) an Pin beteiligt.------------------------------Foto: Im offenen Kampf mit dem Springer-Verlag: Pin-Chef Günter Thiel.

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