Morgens in den OP und abends wieder nach Hause: Viele komplizierte Eingriffe wie Bandscheibenoperationen, Gebärmutterentfernungen oder Bauchspiegelungen können inzwischen ambulant vorgenommen werden. Doch bald müssen Patienten dafür wieder ins Krankenhaus, befürchten Kassenärztliche Vereinigung (KV) und der Landesverband Ambulantes Operieren (LAO). Denn die Krankenkassen haben ihren Angaben zufolge das Honorar für Operationen zum Jahresbeginn um zehn Prozent gekürzt. "Bislang wurden sogenannte krankenhausersetzende Operationen mit Sonderverträgen in Höhe von 2,5 Millionen Euro finanziell gefördert. Diese Vereinbarungen haben die Kassen gekündigt", sagt der LAO-Vorsitzende Ansgar Pett. Von dem verbleibenden Honorar könnten ambulante Operateure und Narkoseärzte nicht einmal die Kosten für ihre Praxen und OP-Zentren decken.Die Folge: "Sie müssen ihre Patienten ins Krankenhaus überweisen. Das ist skandalös, da dort die Kosten fünf Mal so hoch sind", sagt Pett und nennt ein Beispiel: So habe ein HNO-Arzt bislang 239,25 Euro für die Entfernung von Polypen erhalten, künftig sollen nur noch 219,10 Euro gezahlt werden. Das Krankenhaus würde für diesen Eingriff 1 432,60 Euro abrechnen. "Absurd", sagt Pett. "Mit ambulanten Operationen könnten bundesweit vier Milliarden Euro eingespart werden." Zudem hätten ambulante Operationen für die Patienten viele Vorteile, sagt die Anästhesistin Christel Stoeckel-Heilenz. "In ambulanten Zentren ist die Infektionsrate nahe null, da es dort keine resistenten Hauskeime wie in Kliniken gibt", sagt sie. Die Anästhesistin betreibt in Spandau ein ambulantes OP-Zentrum, in dem niedergelassene Ärzte Eingriffe vornehmen können. 15 Mitarbeiter sind dort beschäftigt. "Ich werde den Ersten kündigen und im Sommer mein OP-Zentrum schließen müssen, sollte es bei dieser Honorarkürzung bleiben." 70 bis 80 Prozent ihrer Einnahmen würden ausschließlich in Technik und Material fließen. Die KV, die das Budget der Krankenkassen an die Ärzte verteilt, sieht keine Möglichkeit, den rund 1 000 ambulanten Operateuren zu helfen. Dabei stehen den niedergelassenen Medizinern seit diesem Jahr 150 Millionen Euro mehr zur Verfügung, was einem Plus von 15 Prozent entspricht. Laut Krankenkassen sei vereinbart worden, von diesem Betrag 3,5 Millionen für die ambulanten Operationen vorzusehen. Dies bestreitet die KV."Dieses Geld fließt in Bereiche, die in der Vergangenheit chronisch unterversorgt waren", sagt der stellvertretende KV-Vorsitzende Uwe Kraffel. So erhielten die Hausärzte durchschnittlich 20 Prozent mehr Honorar. Die Ärzte fordern nun, dass Gesundheitssenatorin Katrin Lompscher vermittelt.
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