Krankenstand in den Behörden

Niemand fehlt so häufig wie Berlins Beamte

Polizisten und Feuerwehrleute sind krank machenden Dienstplänen ausgesetzt.

Andreas Kopietz
3 Min
Polizisten sind im Durchschnitt 49,1 Tage krank geschrieben.

Polizisten sind im Durchschnitt 49,1 Tage krank geschrieben.

© imago/Deutzmann

Der Krankenstand bei Polizei und Feuerwehr steigt immer weiter. Im Jahr 2016 waren Berliner Polizisten im Durchschnitt 49,1 Tage krank geschrieben. Das geht aus einer Antwort der Senatsverwaltung für Finanzen auf eine parlamentarische Anfrage der FDP hervor.

Auch Feuerwehrleute überdurchschnittlich häufig krank

Vier Jahre zuvor lag die durchschnittliche Zahl der jährlichen Fehltage noch bei 44,4. Nicht viel gesünder scheinen auch die Feuerwehrleute der Stadt zu sein. Diese brachten es auf 48 Krankheitstage im Jahr 2016. Vier Jahre zuvor waren es 38,9 Tage. Damit sind diese beiden Behörden mit Abstand die Spitzenreiter bei den Fehltagen.

„Das liegt unter anderem daran, dass Gesundheitsmanagement bei Polizei und Feuerwehr nur auf dem Papier steht“, mutmaßt der FDP-Abgeordnete Marcel Luthe. „Polizisten und Feuerwehrleute sind krank machenden und familienfeindlichen Dienstplänen ausgesetzt.“ Luthe fordert seit Monaten einen Untersuchungsausschuss, der das Personalwesen bei Polizei und Justiz untersucht. „Er scheitert aber an der fehlenden Mitwirkung der CDU.“

Gesunde freie Wirtschaft

Hinter Polizei und Feuerwehr rangieren beim Krankenstand unter anderem die Senatsjustizverwaltung (38,4 Fehltage), die Senatsverwaltung für Gesundheit und Soziales (37,3 Tage) und die Senatsverwaltung für Arbeit, Integration, Frauen (35,2 Tage). In allen Senatsverwaltungen, außer der Bildungsverwaltung, haben die krankheitsbedingten Fehltage seit 2012 zugenommen.

Ähnlich ist laut Finanzverwaltung die Entwicklung in den Bezirksämtern. Am schlimmsten sieht es laut Statistik in Marzahn-Hellersdorf aus. Dort ließen sich Mitarbeiter an durchschnittlich 42,9 Tagen pro Jahr krankschreiben. Nicht viel besser ist es in Mitte (41,3 Tage) und Charlottenburg-Wilmersdorf (40,9).

Dagegen ist die Arbeit in Neukölln entweder am gesundheitsverträglichsten oder es mangelt an Anreizen, mal eben blau zu machen. Dort melden sich immer weniger Mitarbeiter krank: 32,2 Tage waren es pro Jahr. Die Behörde von Bezirksbürgermeisterin Franziska Giffey (SPD) hat den niedrigsten Krankenstand.

Durchschnitt von 18 Tagen

Ein vergleichbares Siechtum gibt es in der freien Wirtschaft nicht, wo der Anteil gesetzlich Versicherter viel höher als in den Behörden ist. Im Durchschnitt waren Berliner Arbeitnehmer im Jahr 2016 nur 18 Tage krank geschrieben. So steht es im aktuellen Gesundheitsbericht für Berlin-Brandenburg des Cluster Gesundheitswirtschaft.

Darin enthalten sind Daten von sechs gesetzlichen Krankenkassen sowie der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung und der Deutschen Rentenversicherung. Demnach lag der Krankenstand unter den Belegschaften bei 5,1 Prozent. Also nicht einmal halb so hoch wie in den meisten Amtsstuben.

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