Der Senat sagt dazu, ihm lägen „keine Erkenntnisse über eine entsprechend erhöhte Krebshäufung bei Mitarbeitenden der Berliner Feuerwehr vor“. So steht es in der Antwort des Senats auf eine Anfrage des FDP-Abgeordneten Marcel Luthe.
Toxische Kohlenwasserstoffe
Hintergrund: Bei fast jedem Brand entstehen mit den Rauchgasen hochgiftige polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe. „Feuerwehrleute nehmen diese toxischen und karzinogenen Stoffe über die ungeschützten Atemwege, aber auch über die offenen Poren der Haut auf“, heißt es bei der nicht-offiziellen Feuerwehrorganisation „Feuerkrebs“.
Eine Organisation, die sich nach eigener Aussage „dieser Problematik annimmt und nach Lösungen sucht, um die Einsatzkräfte zu schützen“.
Durch zahlreiche repräsentative internationale Studien wurde laut der Vereinigung „nachgewiesen, dass bei Feuerwehrleuten das Risiko, an Krebs zu erkranken, bereits nach wenigen Jahren im Einsatzdienst um bis zu 30 Prozent steigt“. Dennoch werde Krebs in Deutschland „nicht als Berufskrankheit anerkannt. Und die Retter und ihre Familien werden mit den Folgen alleingelassen.“
Laut Senat werden Krebserkrankungen wie Lungen-, Kehlkopf- oder Hautkrebs, die „auf die Einwirkung von polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen und Ruß zurückzuführen sind“, unter Umständen zwar „als Berufserkrankung angesehen“. Eine „pauschale Anerkennung von Krebserkrankungen bei Feuerwehrangehörigen als Berufserkrankung“ gebe es aber nicht.
Senat nehme Feuerwehrler und Polizisten nicht ernst
Das bedeutet, dass ein an Krebs erkrankter Feuerwehrmann zunächst mit aufwendigen ärztlichen Gutachten nachweisen muss, dass seine Krankheit mit seiner Arbeit als Lebensretter zusammenhängt. „Nur wenn man ganz fest die Augen zukneift, kann man – wie der Senat – die massiv erhöhte Krebsrate bei Feuerwehrleuten nicht erkennen, die sich in einer Vielzahl von Erkrankungen äußert“, sagt FDP-Mann Luthe.
Wie schon in der Schießstandaffäre behandele der Senat „diejenigen am schlechtesten, die sich am meisten für unsere Sicherheit einsetzen!“
Auch der Ex-Polizist Professor Bernd Grigoleit übt in diesem Zusammenhang heftige Kritik am Senat. Grigoleit ist Chef der Berliner Interessengemeinschaft solidarischer Staatsbediensteter (B.I.S.S.), die im Zuge der Schießstandaffäre mit mindestens 13 Toten entstand und sich als Sprachrohr aller Berliner Beamter sieht.
Feuerwehr in Zahlen
67 Sekunden liegen zwischen zwei Einsätzen der Feuerwehr.
3900 Männer und Frauen arbeiten bei der Truppe.
30 Prozent höher ist bei ihnen das Krebsrisiko.
Nach seinen Worten würden Feuerwehrler ebenso wie Polizisten von den zuständigen Stellen im Senat nicht ernst genommen. „Bei all den toxischen Stoffen, denen die Feuerwehrkräfte bei ihren Rettungseinsätzen ausgesetzt sind, muss man doch fragen: Wer schützt eigentlich die Feuerwehr davor?“
Unfallversicherung beaufsichtigt Studie
Laut Senat würden Kräfte der Feuerwehr seit Januar 2018 zwar an einer Forschungsstudie des Instituts für Prävention und Arbeitsmedizin der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung teilnehmen, „um Erkenntnisse über die Expositionssituation speziell im Berliner Feuerwehrdienst zu gewinnen“. Dass diese Studie jedoch unter Aufsicht der Unfallversicherung durchgeführt wird, also derjenigen Stelle, die im Fall der Fälle zahlen muss, sieht Grigoleit kritisch.
Und sagt: „Ich drücke den Kameraden die Daumen, dass es keine reine Gefälligkeitsstudie für diejenigen ist, die von einem erhöhten Krebsrisiko bei Feuerwehrkräften nichts wissen. Oder nichts wissen wollen.“
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