Kreditvergabe

Parkgebühren für Banken

Um die Kreditvergabe in der Euro-Zone anzukurbeln, erwägt die Zentralbank einen negativen Einlagezins. Das könnte theoretisch bedeuten: Wer sein Geld auf einem Tagesgeldkonto hat, muss Zinsen an die Bank bezahlen.

Stephan Kaufmann
4 Min
Die Auswirkungen auf die Eurozone lassen sich nicht klar vorhersagen.

Die Auswirkungen auf die Eurozone lassen sich nicht klar vorhersagen.

© dpa/Nicolas Armer Lizenz

Immer verzweifelter werden die Versuche in Europa, die Banken zur vermehrten Kreditvergabe zu bringen und darüber die Konjunktur aufzupäppeln. Denn trotz rekordniedriger Leitzinsen vergeben die Geldhäuser immer weniger Darlehen an Unternehmen. EU-Parlamentspräsident Martin Schulz will die Banken in Südeuropa notfalls zur Kreditvergabe an Unternehmen zwingen. Die Europäische Zentralbank (EZB) erwägt andere drastische Maßnahmen: einen negativen Einlagezins. „Ein negativer Einlagezins ist denkbar“, sagte am Dienstag EZB-Direktor Benoit Coere. Noch scheut die Zentralbank vor einem solchen Schritt zurück. Denn die Folgen sind unklar.

Was ist der Einlagezins?

Die Banken haben bei der EZB Gelder geparkt. Dafür erhalten sie von der EZB den Einlagezins. Er ist bereits auf null Prozent gesenkt worden. Ziel: Die Banken sollen das Geld von der EZB abheben und verleihen, so die zahlungskräftige Nachfrage in Europa erhöhen und die Konjunktur antreiben.

Wie viel Einlagen haben die Banken bei der EZB geparkt?

Da kommen derzeit 38 Milliarden Euro zusammen. Rechnet man das Geld dazu, das die Banken auf ihren Mindestreservekonten liegen haben, beläuft sich die sogenannte Überschuss-Liquidität auf 152 Milliarden Euro.

Könnte der Einlagenzins negativ werden?

Ja. Die Europäische Zentralbank sei „technisch dazu bereit“, sagte ihr Chef Mario Draghi kürzlich. Im Gespräch ist ein Zins von minus 0,1 Prozent. Damit wäre es für Banken unattraktiv, Geld bei der EZB zu parken. Denn auf dieses Geld müssten sie dann einen Zins zahlen. Die Banken könnten ihr Geld allerdings von ihrem Einlagekonto auf ihr Mindestreservekonto überweisen, da dieses Konto mit null Prozent verzinst wird. Um das zu verhindern, müsste auf das Mindestreservekonto ebenfalls ein negativer Zins erhoben werden.

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Würden die Banken dann mehr und billigere Kredite vergeben?

Könnte sein. Denn der Einlagezins ist die Untergrenze für die Marktzinsen, zum Beispiel für den Zins, den Banken sich untereinander für Ein-Tages-Kredite berechnen (Eonia). Sinkt der Einlagezins, könnte auch der Euribor-Zins sinken, an dem sich viele Kredite an Unternehmen und Haushalte orientieren. Viel würde eine Senkung des Einlagezinses um 0,1 Prozentpunkte aber nicht bringen. Erst ab einem Wert von minus ein Prozent dürften Effekte spürbar werden. Ob damit die Kreditvergabe angekurbelt würde, bleibt aber fraglich. Denn angesichts der schwachen Nachfrage wollen viele Unternehmen nicht investieren und brauchen gar keine Kredite. Und die privaten Haushalte in Europa bauen eher Schulden ab als auf. Banken könnten daher das unrentable Geld eher dazu verwenden, Staatsanleihen zu kaufen.

Könnte ein negativer Einlagezins auch schaden?

Das wird befürchtet. Daher agiert die EZB bislang vorsichtig. Denn noch weiter sinkende Zinsen würden für die Banken bedeuten, dass ihnen Einnahmen entgehen. Die Folgen waren vor einigen Jahren in Dänemark zu beobachten, das seinen Zins unter null gesenkt hatte: Um die Verluste auszugleichen, erhöhten die Banken ihre Zinsen und machten Kredite für Kunden teurer statt billiger.

Drohen den deutschen Sparern damit auch negative Zinsen, sprich: Muss man für sein Tagesgeldkonto bald draufzahlen?

Theoretisch möglich ist es zwar. Aber bislang rechnet niemand damit. Auch in Dänemark sanken die Tagesgeldzinsen nicht unter null. Denn die Banken werben um Einlagen, sie brauchen sie. Im harten Wettbewerb um die Kundengelder dürften sie kaum Sparer mit negativen Zinsen abschrecken. Andererseits werden sie sich voraussichtlich das Geld auf andere Weise wiederholen, um ihre Gewinnspannen zu halten. Zum Beispiel, indem sie ihre Gebühren erhöhen.

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