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Russland

Alexej Nawalny ist tot: Seine Frau will Putin persönlich zur Verantwortung ziehen

Alexej Nawalny ist in Haft gestorben. Die russische Gefängnisverwaltung meldete den Tod am Freitagmittag. Er war zuletzt in einer Strafkolonie in der Polarregion. Die Todesursache wird untersucht.

Team News Sophie Barkey Nicolas Butylin Sophie-Marie Schulz Sophie Barkey/Nicolas Butylin/Sophie-Marie Schulz
6 Min
Der russische Kremlkritiker Alexej Nawalny ist tot.

Der russische Kremlkritiker Alexej Nawalny ist tot.

© Alexander Zemlianichenko/AP

Der russische Oppositionspolitiker und Kreml-Kritiker, Alexej Nawalny, ist tot. Nawalny starb nach Angaben der Gefängnisverwaltung am Freitag in einer Strafkolonie in der russischen Polarregion. Der 47-Jährige hatte dort zuletzt eine jahrelange Haft verbüßt. Die Gründe für seinen Tod würden untersucht, hieß es weiter. Kremlsprecher Dmitri Peskow bestätigte, dass auch Präsident Wladimir Putin von Nawalnys Tod in Kenntnis gesetzt wurde.

Nawalnys Vater, Anatoli, bestätigte am Freitagnachmittag gegenüber russischen Medien den Tod seines Sohnes. Auch die Mutter des russischen Oppositionspolitikers, Lyudmila Nawalny, äußerte sich gegenüber der russischen Zeitung Nowaja Gaseta. Demnach haben sie ihren Sohn noch am Anfang dieser Wochen, am 12. Februar, im Straflager besucht. „Er war am Leben, gesund und fröhlich“, sagt sie.

Die Frau des Oppositionellen, Julia Nawalnaja, hat sich derweil während einer Rede auf der Münchner Sicherheitskonferenz geäußert: „Wenn das wahr ist, möchte ich, dass Putin und alle um ihn herum wissen, dass sie für alles, was sie unserem Land und meiner Familie angetan haben, zur Verantwortung gezogen werden. Ich möchte, dass sich Putin persönlich für die schlimmen Dinge in unserem Land verantwortet.“

Nawalny „fühlte sich nach einem Spaziergang schlecht und verlor fast unverzüglich das Bewusstsein“, erklärte die Behörde. Medizinisches Personal sei sofort zur Stelle gewesen, auch sei ein Krankenwagen gerufen worden. „Alle notwendigen Wiederbelebungsmaßnahmen wurden durchgeführt, führten jedoch zu keinem positiven Ergebnis. Notärzte bestätigten den Tod des Verurteilten“, berichtete zuvor der Strafvollzugsdienst. 


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Reaktionen aus Russland: Nawalnys Team kann Tod vorerst nicht bestätigen

Leonid Solowjow, einer der Anwälte Nawalnys, sagte der oppositionellen Nowaja Gaseta: „Wir sind gerade dabei, die Dinge zu klären. Alexej hatte am Mittwoch seinen Anwalt gesprochen. Da war alles normal.“

„Alexejs Anwalt fliegt jetzt nach Charp. Wenn wir mehr Informationen haben, berichten wir sofort“, heißt es in dem Telegram-Kanal von Nawalnys Team. Der Oppositionelle war vor einigen Monaten in ein Lager ins Dorf Charp verlegt worden, einem Ort etwa 2000 Kilometer nordöstlich von Moskau, im autonomen Kreis der Jamal-Nenzen. 

Der 60-jährige Exiloppositionelle Michail Chodorkowski ist einer der ersten Russen, der sich zum Tod Nawalnys äußerte. „Wenn das wahr ist, werden wir höchstwahrscheinlich nie genau wissen, was wirklich passiert ist. Aber unabhängig davon liegt die persönliche Verantwortung eindeutig bei Wladimir Putin, der zunächst seine Vergiftung anordnete und ihn dann ins Gefängnis schickte. Ich spreche Alexeys Familie, Freunden und Kollegen mein aufrichtigstes und tiefstes Beileid aus“, schrieb Chodorkowski auf X, ehemals Twitter. Chodorkowski befand sich selbst zehn Jahre in einem russischen Gefängnis.

Tod von Alexej Nawalny: Demo vor der russischen Botschaft in Berlin

Kurz nach der Nachricht vom Tod Nawalny haben erste Demonstranten vor der Botschaft Russlands in Berlin protestiert. Schon am Freitagmittag versammelten sich zunächst einige Dutzend Menschen vor dem großen Botschaftsgebäude auf dem Boulevard Unter den Linden. Viele Demonstranten trugen Plakate mit einem Foto Nawalnys, andere Fahnen oder Transparente. Auf einem stand: „Putin ist ein Killer“. Nach und nach wurden es mehr Menschen. Die Polizei begleitete die Demonstration. Auch in anderen Städten wie London, Nikosia, Belgrad oder Prag kam es zu vereinzelten Protestaktionen vor den russischen diplomatischen Vertretungen.

Erste Reaktionen aus Deutschland auf Tod von Alexej Nawalny in Russland

Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) reagierte am frühen Nachmittag bestürzt auf den Tod Nawalnys. Er habe seinen Mut mit dem Leben bezahlt, sagte Scholz am Rande eines Treffens mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj in Berlin. Selenskyj forderte, den russischen Präsidenten Wladimir Putin zur Rechenschaft zu ziehen. Der russische Staatschef müsse „für seine Verbrechen bezahlen“, sagte Selenskyj im Beisein des Bundeskanzlers.

Auch die Altbundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat Moskau für den Tod des Kremlkritikers Alexej Nawalny verantwortlich gemacht. Nawalny sei „Opfer der repressiven Staatsgewalt Russlands“, geworden, erklärte Merkel am Freitag in einer Mitteilung. „Es ist furchtbar, dass mit ihm eine mutige, unerschrockene und sich für sein Land einsetzende Stimme mit fürchterlichen Methoden zum Verstummen gebracht wurde.“ Die Nachricht habe sie „mit großer Bestürzung“ erfüllt, erklärte Merkel weiter. „Meine Gedanken sind bei seiner Frau, seinen Kindern, seinen Freunden und seinen Mitarbeitern.“ Während ihrer Amtszeit hatte sich Angela Merkel für Nawalny und dessen Freilassung eingesetzt, besuchte ihn 2020 in einer streng geheimen Aktion im Krankenbett der Berliner Charité.

Bundesbildungsministerin Bettina Stark-Watzinger (FDP) bezeichnete den von russischen Behörden berichteten Tod des inhaftierten Oppositionspolitikers ebenfalls als „Verbrechen“. Indem sich Nawalny Russlands Präsident Wladimir Putin „entgegenstellte und für Freiheit und Menschenrechte kämpfte, hat er großen Mut bewiesen“, erklärte die FDP-Politikerin am Freitag im Online-Dienst X. „Dafür musste er mit seinem Leben bezahlen. Heute ist ein schwarzer Tag. Meine Gedanken sind bei seiner Familie.“

Auch Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) äußerte sich auf X. Nawalny sei für ihn „ein Held“ gewesen. „Durch seinen Widerstand hat er früh der Welt klargemacht, dass Putin ein rücksichtsloser Verbrecher im Amt ist. Man hätte viel früher seiner Warnung folgen müssen. Rest in Peace.“

Nawalny galt als Putins schärfster innenpolitischer Kritiker. Nach einem Nowitschok-Giftanschlag, für den er den Kreml verantwortlich machte, war er zu seiner Behandlung nach Deutschland ausgereist. Im Januar 2021 kehrte Nawalny nach Russland zurück und wurde sofort verhaftet. Wegen angeblichem „Extremismus“ war er zu insgesamt 19 Jahren Lagerhaft verurteilt worden.

Björn Höcke, Fraktionsvorsitzender der Thüringer-AfD, schrieb auf X zum Tode Nawalnys: „Es ist für einen freiheitsliebenden Menschen unerträglich mit ansehen zu müssen, wie Dissidenten, die kein Verbrechen begangen haben, im Gefängnis zu Tode kommen. Heute ist es Nawalny im ‚autokratischen Russland‘, morgen ist es vielleicht Julian Assange im ‚freien Westen‘. Wann lernen ‚die da oben‘ endlich, dass Kritik keine Bedrohung, sondern Gewinn ist.“

Berlins Regierender Bürgermeister, Kai Wegner, findet ebenfalls deutliche Worte. „Menschliches Leben ist in diesem Russland nicht mehr viel wert“, schreibt er auf X. Nicht nur Nawalny sei gestorben, sondern auch „ein Teil des offenen, demokratischen, des europäischen Russland.“ Den Tod des Kremlkritikers wertet Wegner als „eine Botschaft“, die alle Europäer betrifft. „Putins Regime macht vor nichts Halt – außer vor einer glaubwürdigen und resoluten Abschreckung“, so Wegner.

Auch international zeigen sich Staats- und Regierungschefs bestürzt. Der lettische Präsident Edgars Rinkevics sagte, Nawalny wurde „vom Kreml brutal ermordet“. Der britische Premier Rishi Sunak bezeichnete Nawalny als einen der leidenschaftlichsten Verteidiger der russischen Demokratie. Der Präsident des Europäischen Rates, Charles Michel, machte die russischen Behörden für Nawalnys Tod verantwortlich.

Das polnische Außenministerium folgt dieser Einschätzung und schreibt auf X: „Die volle Verantwortung dafür tragen die russischen Behörden, die jedes zivilgesellschaftliche Engagement gezielt unterdrücken.“ US-Vizepräsidentin Kamala Harris, die ebenfalls auf der Münchner Sicherheitskonferenz zu Gast ist, kündigte in ihrer Rede eine „Reaktion auf den Tod von Nawalny“ an. „Wenn sich die Berichte bestätigen, ist das ein weiterer Beleg für Wladimir Putins Brutalität“, sagte Harris. 

Während die Meldung über Nawalnys Tod am Freitag die Hauptschlagzeile internationaler Medien ist, berichten russische Staatsmedien wie Tass oder Ria Novosti bisher nicht über den Fall.

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