In diesem Jahr haben bereits 8302 Menschen erklärt, nicht mit der Waffe kämpfen zu wollen. So viele Anträge auf Kriegsdienstverweigerung gingen bis Ende Juli beim Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben in Köln ein.
Das ist mehr als doppelt so viel wie im gesamten Vorjahr. Der Auslöser ist kein Zufall. Seit Januar bekommen junge Männer kurz nach ihrem 18. Geburtstag Post von der Bundeswehr. Viele antworten mit einem klaren Nein.
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Kriegsdienstverweigerung: So schnell klettern die Anträge
Die aktuelle Zahl nannte eine Sprecherin des Bundesamts dem Evangelischen Pressedienst (epd): 8302 Anträge bis zum 31. Juli. Ende Juni waren es nach Angaben der Behörde erst 5862. Allein im Juli kamen also rund 2400 hinzu. Zum Vergleich: Im kompletten Vorjahr registrierte das Amt 3879 Anträge.
Der Trend zieht sich über Jahre: 951 Anträge 2022, 1079 im Jahr 2023, dann 2249 im Jahr 2024. 2025 folgten 3879 – und 2026 hat diese Marke bis Juli bereits mehr als verdoppelt.
Selbst der bisherige Ausschlag aus dem Jahr 2011 ist überholt. Damals, im Jahr der ausgesetzten Wehrpflicht, gingen 4348 Anträge ein.
Warum die Kriegsdienstverweigerung jetzt zunimmt
Als Treiber gelten laut dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) zwei Entwicklungen: die angespannte Sicherheitslage und das neue Wehrdienstgesetz, das am ersten Januar 2026 in Kraft trat.
Seither schreibt der Staat alle jungen Männer kurz nach dem 18. Geburtstag an und mustert sie verpflichtend. Abgefragt wird, ob sie sich einen Dienst in der Truppe vorstellen können. Für Frauen ist der Fragebogen freiwillig.
Das Ziel dahinter: Freiwillige für den Ausbau der Bundeswehr gewinnen. Die Truppe soll von zuletzt 186.000 aktiven Soldatinnen und Soldaten bis 2035 auf 260.000 wachsen.
Klappt das nicht, hält sich vor allem die Union eine Bedarfswehrpflicht offen.
Wer einen Antrag stellt – und wer ihn zurückzieht
Nicht nur Ungediente verweigern. Laut RND stellen auch Reservisten und aktive Soldaten Anträge, die Beratungsstellen melden wachsenden Zulauf.
Es gibt aber auch die Gegenbewegung. Unter dem Eindruck des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine ziehen manche frühere Verweigerer ihre Erklärung zurück.
Nach einem Bericht der Neuen Osnabrücker Zeitung vom April geschah das im Vorjahr 781 Mal, im ersten Quartal 2026 bereits 233 Mal.
Wie die Kriegsdienstverweigerung rechtlich funktioniert
Das Recht steht im Grundgesetz. Artikel 4 lautet: „Niemand darf gegen sein Gewissen zum Kriegsdienst mit der Waffe gezwungen werden“.
Der Antrag läuft schriftlich. Nötig sind ein unterschriebenes Anschreiben, ein tabellarischer Lebenslauf und eine ausführliche persönliche Begründung.
Eingereicht wird er beim Bundesamt für das Personalmanagement der Bundeswehr. Die Entscheidung trifft anschließend das Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben in Köln.
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