Kriminalität in Berlin

Prenzlauer Berg ist ein Paradies für Autoknacker

In der Hauptstadt steigt nach Informationen der Berliner Zeitung die Zahl der Diebstähle von Autozubehör an. Im ersten Quartal dieses Jahres zählte die Polizei bereits 283 Taten – 40 mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Einer der Schwerpunkte ist Prenzlauer Berg.

Lutz Schnedelbach
3 Min
Autodiebe gehen im Moment häufig in Prenzlauer Berg auf Beutezug.

Autodiebe gehen im Moment häufig in Prenzlauer Berg auf Beutezug.

© imago stock&people Lizenz

Natascha P. hat Angst um ihr Auto. Innerhalb von zwei Wochen wurde ihr Audi zweimal aufgebrochen. Einmal wurde die Fahrerscheibe eingeschlagen. Das zweite Mal schlossen die Diebe die Elektronik kurz. Die Täter hatten es in beiden Fällen auf ihr Navigationssystem abgesehen. Beim ersten Mal gelang es ihnen, das Gerät zu stehlen, beim zweiten Mal nicht.

Jetzt hat sie sich ein Gerät gekauft, das man orten und aus der Konsole heraus nehmen kann, so wie es Polizisten ihr empfohlen haben. Natascha B. wohnt in Prenzlauer Berg. In diesem Ortsteil registriert die Polizei seit Jahren einen stetigen Anstieg von Diebstählen an und aus Kraftfahrzeugen.

283 Taten registriert:

Neben Autokennzeichen gehören Radios sowie Navigationsgeräte zu den begehrtesten Beutestücken. Im Jahr 2012 registrierte die Polizei 661 Taten, ein Jahr später 899 und im vergangenen Jahr 1 075. Nach Informationen der Berliner Zeitung zählte die Polizei im ersten Quartal dieses Jahres bereits 283 Taten, 40 mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Die Aufklärungsquote liegt bei etwas über vier Prozent. Prenzlauer Berg sei ideal für Diebe, weil alle gängigen Automarken dort anzutreffen sind und die Autos in großer Zahl dicht auf der Straße , sagen Polizisten. „Wir können zwar häufiger Streife fahren, aber das bringt nicht viel“, sagt ein Ermittler aus der zuständigen Direktion 1.

Das beste Mittel, um die Täter zu erwischen seien aufmerksame Nachbarn, sagt auch Pressesprecher Jens Berger. „Wir verteilen regelmäßig Flyer, um die Leute zu sensibilisieren.“ Neun Männer hat die Polizei seit Jahresbeginn erwischt, weil Nachbarn die Diebstähle beobachtet und die Täter gut beschreiben konnten. Die Tatverdächtigen stammen vor allem aus Polen und Litauen.

Die Polizei vermutet, dass die Männer Banden angehören, die sich auf den Diebstahl von Navigationsgeräten und Radios spezialisiert haben. Die Nachfrage nach solchen Geräten ist in Osteuropa groß. Zwar bekomme man diese Apparate auch auf dem heimischen Markt, aber zu Preisen, die kaum einer bezahlen kann, sagen Fahnder. Früher waren es Reifen und Außenspiegel, die begehrt waren. Jetzt sind es verstärkt diese Geräte. Je nach Bedarf wird gestohlen.

Unvorsichtige Besitzer

Die Autohersteller haben sich darauf eingestellt. Sie verankern die Navigationsgeräte teilweise in den Konsolen und montieren darüber mehr schlecht als recht Klappen, die die Geräte verdecken. Profidiebe wissen das. Sie wissen auch , wie die Abdeckungen schnell zu entfernen sind. Problemlos knacken sie die Elektronik, programmieren sie um und nehmen das Gerät aus der Verankerung. Früher rissen die Täter die Autoradios aus den Konsolen. Um die Codierung zu knacken legten sie die Technik 24 Stunden in ein Tiefkühlfach, dann war die Programmierung des Radios gelöscht, und es konnte wieder verwendet werden. Heute bedarf es eines speziellen Wissens über Elektronik und Computertechnik.

Aber es gibt auch genug Tatgelegenheiten, bei denen Fachwissen nicht nötig ist. Immer noch lassen Autobesitzer Wertsachen offen im Wagen liegen. Fotoapparate, Geldbörsen, vergessene mobile Navigationsgeräte – all das zieht Diebe an.

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