Überragender Spieler dabei war der Niederländer Sheraldo Becker, der in der Alten Försterei als Vorlagengeber und Schütze eines wunderbaren Treffers glänzte. Es war der bis dato beste Auftritt des 27-Jährigen im Trikot der Eisernen. Durch den Erfolg schob sich Union in der Tabelle mit nun 37 Punkten wieder am selbsternannten Karnevalsverein sowie am 1. FC Köln vorbei auf Platz sieben.
Fischer überrascht mit seiner Startelf
Was wirklich alle mit einem Blick auf die Mannschaftsaufstellung überraschte, war die Tatsache, dass der Name Taiwo Awoniyi nicht unter den ersten elf Namen zu finden war. Der Nigerianer ist immerhin Unions mit Abstand gefährlichster Angreifer in dieser Saison. Doch Namen und Statistiken spielen für Unions Cheftrainer bei der Wahl seiner Stammformation nun mal keine Rolle. Was einzig und allein zählt, ist der Eindruck, den er in der Trainingswoche von jedem Einzelnen gewonnen hat, also die aktuelle Form.
Für Awoniyi spielte Andreas Voglsammer, an dessen Seite stürmte der von Deckungsaufgaben weitgehend befreite Becker, während Genki Haraguchi im Mittelfeld mal wieder von Beginn an ran durfte. Das hatte für Sven Michel, den Winterzugang, die Rolle des Ersatzspielers zur Konsequenz. Robin Knoche wiederum gab nach seiner Gelbsperre wieder den Mittel(s)mann in der Abwehrkette, Timo Baumgartl rückte deshalb wieder ein Stück nach links.
Und dann glückte den Eisernen, wild angefeuert von 9500 Fans in ihren Farben, tatsächlich das, was ihnen schon seit geraumer Zeit nicht mehr gelungen war: nämlich ein frühes Tor. Entschlossen waren sie in der siebten Minute tief in der gegnerischen Hälfte gemeinschaftlich einem verloren gegangenen Ball hinterhergejagt, gaben dabei ein Beispiel für gelungenes Gegenpressing.
Ein Beispiel für gelungenes Gegenpressing
Sheraldo Becker kam jedenfalls von der rechten Seite zum Flanken und Niko Gießelmann nach dieser feinen Flanke auch zum Abschluss. Gießelmann zog aus 14 Metern volley ab, durfte aber noch nicht jubeln, weil ein Mainzer Abwehrspieler seine Qualitäten als Torhüter unter Beweis stellen konnte. Der Abpraller fiel jedoch Genki Haraguchi vor der Füße, der mit seinem Nachschuss über die rechte Wade des Mainzers Alexander Hack schließlich den Weg ins Tor fand.
Es brauchte allerdings fast zwei Minuten, bis auf der Anzeigetafel tatsächlich auch die „1“ stehen bleiben durfte. Der Grund: Der Videoassistent hatte Schiedsrichter Bastian Dankert darauf aufmerksam gemacht, dass der in dieser turbulenten Strafraumszene im Abseits sitzende Grischa Prömel womöglich noch den Ball berührt haben könnte. Dankert prüfte, kam letztlich aber zu dem Schluss, dass keine Regelwidrigkeit vorgelegen hatte.
Wie das im Fußball so oft der Fall ist, zählten die am ersten Tor beteiligten Spieler auch dieses Mal zu den auffälligsten Akteuren. Becker trat in der Folge mit seinem Tempo und seiner Bereitschaft, die Mainzer Abwehrspieler immer wieder anzulaufen, in Erscheinung. Gießelmann überzeugte mit seinem unaufgeregten Passspiel und mit seiner Widerspenstigkeit im Verteidigen von gegnerischen Standardsituationen. Dominik Kohr, dem Gießelmann immer wieder begegnete, wirkte jedenfalls sehr genervt, sah in der zweiten Hälfte innerhalb von zwei Minuten gar zweimal Gelb. Was einen Platzverweis zur Folge hatte und Union natürlich in die Karten spielte.
Auch Awoniyi trifft noch
Haraguchi tat sich hingegen als Fleißarbeiter hervor, war griffig in den Zweikämpfen, lief immer wieder Räume zu. Doch auch allen anderen war anzusehen, dass sie der Niederlagenserie ein Ende bereiten wollten. So blieben die zuletzt durchaus formstarken bis zur Pause ohne nennenswerte Torchance.
Haraguchi war es allerdings auch, der zu Beginn der zweiten Hälfte ein erstes Zeichen setzte. Und das nicht mit einer Aktion in der Offensive, sondern mit einem leidenschaftlichen Einsatz im eigenen Strafraum. Jonathan Burkhardt, der Hochbegabte, war zum Schuss gekommen, doch der Japaner warf sich wie ein Eishockeyspieler in Unterzahl gegen einen Blueliner in diesen Schuss, verhinderte in der 49. Minute so den Ausgleich.
Matchwinner war allerdings, wie bereits zum Einstieg erwähnt, der wie entfesselt aufspielende Becker. In der 56. Minute stellte er unter Beweis, über welch vorzügliche Schusstechnik er verfügt. Von der linken Seite war er in dieser Szene nach innen und an einem Gegenspieler vorbei gezogen, schlenzte den Ball aus gut 20 Metern ins lange Eck, sodass sich der Mainzer Keeper Robin Zentner vergeblich streckte.
In der 75. Minute blieb Becker nach einem Konter ganz ruhig, wartete auf den richtigen Moment, um auf den inzwischen eingewechselten Awoniyi zu passen. Auch Awoniyi blieb ruhig, vollendete mit einem Flachschuss zum 3:0.
Der Mainzer Gegentreffer in der 90. Minute, den Delano Burgzorg nach der einzigen Nachlässigkeit der eisernen Abwehrspieler erzielte, tat nichts mehr zur Sache. Fischer war dennoch genervt.
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: briefe@berliner-zeitung.de